Karl Stojka
Karl Stojka über seinen Vater im KZ Mauthausen
»1942 holten vier Gestapobeamte meinen Vater von seiner Familie weg. Wir Kinder weinten sehr, die Mutter packte in der Eile ein paar Sachen für ihn zusammen. Ich weiß noch, Vater hatte einen hellen Pepitaanzug an. Er kam nach Dachau und wurde dann in das Wiener Landesgericht II überstellt. Dort durften wir ihn besuchen. Mein Vater stand im Sprechzimmer hinter einem ganz kleinen Gitter, so dass man ihn kaum sehen konnte. Er begrüßte uns mit Freude, doch ich konnte von seinem Kuss nur das kalte Eisengitter auf meinen Lippen spüren. Schon nach wenigen Worten musste der Vater wieder gehen; meine Mutter, die Großmutter und wir Kinder weinten. Zwei Monate später kam ein Brief aus Mauthausen, in dem Vater hoffte, uns bald wieder zu sehen. 14 Tage danach erhielten wir ein Paket mit seinem Pepitaanzug, der Todesmitteilung (Herzschwäche) und einer kleinen Schachtel, in der Knochen und Asche waren. Das war alles, was übrig blieb von meinem 32jährigen Vater.«