Werkstattberichte

23. September 2013

3. Juli 1941: »Der längste Tag in meinem Leben«

Shlomo Wolkowicz berichtet in seinem Interview über die Massenerschießung von Solotschiw

Als einer von ganz wenigen Gefangenen überlebte Shlomo Wolkowicz im Juli 1941 die Massenerschießung durch ein SS-Einsatzkommando in Solotschiw. Auch danach gelang es ihm immer wieder, durch Wagemut, Glück und Hilfe von Anderen, aus lebensgefährlichen Situationen zu entkommen.

Geboren am 1. Januar 1924 in der Kleinstadt Jagielnica im damaligen Ostpolen, ging er schon als 13-Jähriger nach Lemberg und besuchte das jüdische Gymnasium. Dort erlebte er 1939 mit der sowjetischen Besetzung der Stadt auch den Beginn des Zweiten Weltkrieges. Auf der Flucht vor der vorrückenden deutschen Wehrmacht im Juni 1941 gelangte er nach Solotschiw und wurde Zeuge des Massenmordes durch SS und ukrainische Hilfspolizei, dem er selbst nur knapp entkam. In der Folgezeit gelang es ihm, zeitweilig unter falscher Identität in einem Dorf unterzutauchen und sogar aus einer ukrainischen Polizeizelle zu entkommen, indem er ein Vorhängeschloss heraussägte. In Jagielnica leistete Shlomo Wolkowicz mit seinen Eltern und Geschwistern Zwangsarbeit in einer Tabakfabrik, die unter dem Schutz des Verwalters Ludwig Semrad stand, der dafür 1979 in Israel als »Gerechter unter den Völkern« geehrt wurde. Nach seiner Auswanderung nach Israel 1949 spürte Shlomo Wolkowicz trotz der schrecklichen Erinnerungen die Verpflichtung, als Überlebender des Holocaust Zeugnis abzulegen. Er sagte in Deutschland in Prozessen gegen NS-Täter aus und hielt zahlreiche Vorträge an Schulen. Zum Zeitpunkt des Interviews war er 89 Jahre alt.

Shlomo Wolkowicz (01162/sdje/0057). Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, 15. März 2013 (Haifa). Durchführung: Daniel Baranowski, Lennart Bohne und Daniel Hübner. Transkription und Bearbeitung: Martin Hölzl.

Haifa, 15. März 2013