Veranstaltungsberichte

06. August 2019

»Das war unsere Endstation …« – Erinnern an die Ermordung der letzten Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau 1944

Am Freitag, den 2. August, gedachten die Stiftung Denkmal, RomaTrial, die Hildegard-Lagrenne-Stiftung und RomnoKher der über 4.000 Kinder, Frauen und Männer, die in der Nacht auf den 3. August 1944 in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet wurden.

Wegen eines Unwetters konnte die Veranstaltung nicht am Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas stattfinden, dennoch fanden zahlreiche Gäste den Weg in den Ort der Information unter dem Stelenfeld.

Nach einer Begrüßung durch Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, hielt Gesine Schwan, Präsidentin der Humboldt-Viadrina Governance Platform, eine Rede. Sie spannte den Bogen von der Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus bis in die heutige Zeit und schloss mit den Worten: »Ich verneige mich vor den Opfern, an die wir heute erinnern.«

Ihr folgte der niederländische Überlebende und Sinto Zoni Weisz, der mit Hilfe eines Polizisten nur knapp der Deportation ins »Zigeunerlager« Auschwitz entging und als siebenjähriger Junge seine gesamte Familie verlor. Weisz warnte vor dem ansteigenden Antisemitismus und Antiziganismus in Europa und sprach sich für mehr Zivilcourage aus.

Einen besonderen Höhepunkt des Abends bildete die musikalische Umrahmung von Riah May Knight und Lindy Larsson. Philipp Geist sorgte für eine beeindruckende Lichtinstallation. Die Künstler Damian James Le Bas, Lindy Larsson und Riah May Knight rezitierten das Gedicht »Auschwitz« von Santino Spinelli, das auch Teil des Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma ist, auf Romanes, Deutsch und Englisch.

Die junge Schauspielerin Estera Stan berührte mit ihrer Lesung aus Zilli Reichmanns geplanter Biographie die Anwesenden zutiefst.
Die 95-Jährige Zilli Reichmann war als Ehrengast anwesend und ergriff spontan das Wort: »Ich lebe noch. Und solange ich lebe, kämpfe ich. Für unsere Menschen.« Im März 1943 war Zilli die Erste ihrer Familie, die nach Auschwitz deportiert wurde. Am 2. August 1944 wurde sie zur Zwangsarbeit nach Ravensbrück verschleppt. Ihre vierjährige Tochter Gretel, ihre Eltern, die Schwester mit ihren sechs Kindern und zahlreiche weitere Verwandte wurden in der Nacht des 2. August 1944 im »Zigeunerfamilienlager« in Auschwitz ermordet.

Ende des Jahres publiziert die Stiftung Denkmal Zilli Reichmanns Erinnerungen unter dem Titel »Ich wollte leben«.

Bild: Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, begrüßte die Gäste und moderierte die Veranstaltung. © Stiftung Denkmal, Foto: Mike Schmidt

Bild: Gesine Schwan, Präsidentin der Humboldt-Viadrina Governance Platform © Stiftung Denkmal, Foto: Mike Schmidt

Bild: Zoni Weisz, Holocaust-Überlebender © Stiftung Denkmal, Foto: Mike Schmidt

Bild: Lichtinstallation von Philipp Geist © Stiftung Denkmal, Foto: Mike Schmidt

Bild: Riah May Knight und Lindy Larsson © Stiftung Denkmal, Foto: Mike Schmidt

Bild: Estera Stan las aus Zilli Reichmanns Erinnerungen. © Stiftung Denkmal, Foto: Mike Schmidt

Bild: Die Überlebende Zilli Reichmann war aus Mannheim für die Veranstaltung angereist. © Stiftung Denkmal, Foto: Mike Schmidt

Bild: Damian Le Bas rezitierte das Gedicht Auschwitz auf Romanes. © Stiftung Denkmal, Foto: Mike Schmidt