Neues

16. Februar 2018

Trauer um Valentīna Freimane

In der Nacht vom 15. auf den 16. Februar 2018 ist Valentīna Freimane, lettisch-jüdische Theater- und Kinowissenschaftlerin und Überlebende des Holocaust, im Alter von 95 Jahren verstorben. Mit großer Trauer haben die Mitarbeiter der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas die Nachricht ihres Todes aufgenommen.

1922 in Riga als Valentīna Loewenstein geboren, wuchs sie in einer großbürgerlichen Familie in Riga, Paris und Berlin auf. Ihre Eltern legten großen Wert auf klassische Bildung und mehrsprachige Erziehung. Schon früh entwickelte sie eine Leidenschaft für Literatur, Musik, Theater und Kino. 1940 erlebte sie zunächst die Annexion des Landes durch die Sowjetunion und die Deportation von Verwandten nach Sibirien. Als im Sommer 1941 die deutsche Besatzungszeit begann, wurden die Eltern in das neu errichtete Ghetto der Stadt verschleppt. Ihr selbst gelang es, sich mit ihrem Mann, den sie kurz zuvor geheiratet hatte, fast ein Jahr lang in der ehemaligen elterlichen Wohnung zu verstecken. Während ihr Mann bei einer Durchsuchung verhaftet wurde und später im Gefängnis starb, konnte Valentīna Freimane fliehen und in wechselnden Verstecken bis zur Befreiung Rigas durch die Rote Armee im Oktober 1944 überleben. Nach dem Krieg arbeitete sie als promovierte Kunsthistorikerin an der Lettischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1989 lebte sie wieder in Berlin und kehrte damit in die Stadt zurück, mit der sie zahlreiche Kindheitserinnerungen verband. Ihre 2010 veröffentliche Autobiographie »Adieu, Atlantis« wurde in Lettland zu einem Bestseller.

Zuletzt hatte die Stiftung Denkmal im Mai 2015 als Kooperationspartner an der Aufführung der Oper des lettischen Komponisten Artūrs Maskats »Valentīna« in der Deutschen Oper Berlin mitgewirkt. Die Oper basiert auf der Autobiographie Valentīna Freimanes, die auch bei der Berliner Vorstellung zugegen war. Im Jahr 2014 hatte die Stiftung Denkmal bereits ein Interview im Rahmen des Projektes »Sprechen trotz allem« mit Valentīna Freimane aufgenommen.