Veranstaltungsberichte

21. Februar 2019

Der Arbeiter-Samariter-Bund und der Nationalsozialismus – Buchvorstellung und Gespräch

Am Donnerstag, den 21. Februar lud der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in die Topographie des Terrors zur Buchpräsentation und Ausstellungseröffnung ein.
130 Jahre nach seiner Gründung legte der ASB erstmals eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung zu seiner Geschichte im Nationalsozialismus vor. Die Forschungsergebnisse wurden über 200 Gästen präsentiert.
Knut Fleckenstein, ASB-Bundesvorsitzender, begrüßte die Gäste: »Auch wenn der ASB 1933 verboten und als Institution aufgelöst wurde, hieß das ja nicht, dass die Samariter als Individuen aufhörten zu existieren. Was wurde aus den 52 000 Samaritern, den 1 200 approbierten ASB-Ärzten, den Masseuren, Pflegekräften, Kolonnen und den Erholungs- und Kindererholungsheimen nach der Auflösung des Arbeiter-Samariter-Bundes zum 1. September 1933 durch die Nationalsozialisten? Ausgehend von dieser Frage haben wir uns im September 2017 entschieden, den Auftrag für eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung zur Genese des Verbots und zur Verbotszeit des ASB zu vergeben.«

Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, führte in das Thema ein. Daran schloss sich eine Podiumsdiskussion an mit Prof. Dr. Frank Bajohr, Marthe Burfeind, Dr. Nils Köhler, Franz Müntefering sowie Uwe Neumärker. Es moderierte Sven Felix Kellerhoff, Leitender Redakteur für Zeitgeschichte bei der Welt. Knut Fleckenstein schloss den Abend mit einem Ausblick: »Wir sind heute mehr denn je aufgefordert, uns unserer Geschichte zu stellen, um Zukunft gemeinsam zu gestalten: um der Opfer willen und damit auch um unserer selbst willen. Wir tragen Verantwortung dafür, dass eine Zeit wie der Nationalsozialismus nicht wiederkehrt, dass sich antisemitisches und ausländerfeindliches Gedankengut in Deutschland nicht noch mehr verbreitet, als es zur Zeit schon der Fall ist.«

Hintergrund:
Vom ASB-Bundesvorstand wurden Historiker der Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte (EBB) Alt Rehse e. V. mit der Forschung beauftragt. In Alt Rehse entstand ab 1934 die »Führerschule der Deutschen Ärzteschaft«. Bis 1941 diente das NS-Musterdorf in Mecklenburg der »weltanschaulichen Schulung« von bis zu 12 000 Ärzten und anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen.
Die Studie beleuchtet die regional sehr unterschiedlichen Schicksale der bedrängten Kolonnen. Mit der Auflösung zum 1. September 1933 war das Ringen des in der Arbeiterbewegung verwurzelten Verbandes um sein Fortbestehen formal beendet. Die Historiker folgten den höchst unterschiedlichen Wegen der Arbeitersamariter zwischen Verfolgung und Verstrickung bis 1945. Die Wiedergründung des ASB nach Kriegsende und die handelnden Personen werden betrachtet, Kontinuitäten und Brüche eingeordnet.
 

Bild: Prof. Dr. Frank Bajohr, Franz Müntefering, Sven Felix Kellerhoff, Marthe Burfeind, Uwe Neumärker, Dr. Nils Köhler ©Hannibal Hantschke, ASB

Bild: Ausstellung ©Hannibal Hantschke, ASB

Bild: Uwe Neumärker ©Hannibal Hantschke, ASB