Anlässlich der Einweihung des Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas lud die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas am 24. Juni 2026 zum Festakt in den Großen Tiergarten, in der Nähe des Goldfischteichs ein, wo das neue Mahnmal der Öffentlichkeit übergeben wurde.
Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, begrüßte die etwa 900 Gäste, die trotz großer Hitze zur Eröffnung erschienen waren.
Als Erstes sprach Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Sie erinnerte an die Opfer während der Zeit des Nationalsozialismus, denen das Mahnmal gewidmet ist: »Die Zeugen Jehovas wurden als sogenannte Kriegsdienstverweigerer hingerichtet. Oder sie kamen unter unmenschlichen Bedingungen in Haft ums Leben. […] Das Mahnmal ist ein Zeichen für unsere Erinnerungskultur. Wir schulden allen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden, ein Gedenken.« (Link zur gesamten Rede)
Ihr folgte Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, mit den Worten: »Mit diesem Mahnmal erhält eine lange Zeit weniger bekannte Opfergruppe des Nationalsozialismus einen sichtbaren Ort des Erinnerns und Gedenkens. […] Wir schließen eine Lücke in unserer Erinnerungskultur.«
Für das Land Berlin sprach Felor Badenberg. Als Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz erinnerte sie daran, dass die verfolgten Zeugen Jehovas meist von Gerichten verurteilt und im Anschluss eingesperrt oder ermordet worden waren.
Zeitgleich mit der Einweihung des Mahnmals wurde die Webseite www.biographien-verfolgter-zeugen-jehovas.de veröffentlicht. Dieses Wissensportal, dass von Jugendlichen erarbeitet wurde, wird das Mahnmal digital ergänzen. Die Jugendlichen aus dem Projekt – welches von BKM sowie von der Stiftung EVZ im Rahmen des Programms »JUGEND erinnert vor Ort & engagiert« gefördert wurde – waren ebenfalls zur Einweihung des Mahnmals nach Berlin gekommen und trafen dort, im Anschluss an die Übergabe des Mahnmals an die Öffentlichkeit persönlich mit dem Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, sowie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zusammen.
Hintergrund
Am 22. Juni 2023 beschloss der Deutsche Bundestag die Errichtung des Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas. Die christliche Glaubensgemeinschaft, die sich auch Ernste Bibelforscher nannte, wurde ab 1933 in Deutschland und ab 1938 auch im nationalsozialistisch beherrschten Europa systematisch verfolgt. Über 15.500 Zeugen Jehovas – Frauen und Männer – wurden inhaftiert, darunter 4.500 in Konzentrationslagern, wo sie mit einem »lila Winkel« stigmatisiert wurden. Mindestens 1.800 Zeugen Jehovas verloren ihr Leben.
Die Stiftung Denkmal dankt der Arnold-Liebster-Stiftung für ihre Unterstützung.



















