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04. Januar 2018

Trauer um Judith Schneiderman

Mit tiefer Trauer hat die Stiftung Denkmal die Nachricht vom Tod der Holocaustüberlebenden und Zeitzeugin Judith Schneiderman aufgenommen, die am Mittwoch, den 3. Januar 2018, im Kreise ihrer Familie in den USA verstarb.

Judith Schneiderman wurde 1928 als fünftes von acht Kindern in die orthodoxe, jiddischsprachige Familie Rosenberg im heute ukrainischen Rachiv in der Karpatoukraine geboren. Zur Zeit ihrer Geburt gehörte die Stadt zur Tschechoslowakei, 1939 kam die Region zu Ungarn. Nach der Besetzung des Landes durch die deutsche Wehrmacht 1944 wurde ihre Familie zunächst in ein Ghetto verschleppt und wenig später nach Auschwitz–Birkenau deportiert. Ihre Eltern und ihre beiden jüngsten Schwestern wurden dort sofort nach ihrer Auskunft in den Gaskammern ermordet. Judith wurde zur Zwangsarbeit eingeteilt und überlebte mehrere nationalsozialistische Lager und am Ende des Krieges einen Todesmarsch.

Nach dem Krieg kehrte sie nie mehr in ihre Heimat zurück. Im DP-Camp Landsberg am Lech lernte die 17-jährige ihren späteren Mann Pinek (Paul) Schneiderman aus Polen kennen, mit dem sie 1946 in die USA auswanderte. Sie bekamen vier Kinder und später eine Schar von Enkelkindern. 2009 veröffentlichte sie ihre Erinnerungen an den Holocaust, die 2013 unter dem Titel »Ich sang um mein Leben« in der Zeitzeugenreihe der Stiftung Denkmal auf Deutsch erschienen. Zu diesem Anlass reiste Judith Schneiderman nach Berlin, wo ihr Buch in der US-amerikanischen Botschaft am Pariser Platz vorgestellt wurde.

In nur wenigen Wochen werden ihre Memoiren in der Zeitzeugenreihe der Stiftung Denkmal auch auf Englisch erscheinen. Bis zu ihren letzten Lebenstagen hat Judith die Arbeiten an der Neuauflage begleitet. Sie wurde 89 Jahre alt.

Bild: DP-Camp Landsberg am Lech, 1946: die 17-jährige Judith Schneiderman kurz vor ihrer Auswanderung in die USA

Bild: v. l. n. r. Uwe Neumärker, Claudia Michelsen, S. E. Philip Murphy, Judith Schneiderman, Helene Schneiderman (Tochter von Judith), Adam Kerpel-Fronius, Lara Flamme (Enkelin von Judith), David Schneiderman (Sohn von Judith), Liviya Flamme (Enkelin von Judith), Michael Flamme (Schwiegersohn von Judith), Berlin 2013; Foto: Marko Priske