Geschichte des Denkmals für die ermordeten Juden Europas

Bild: Stelenfeld

Januar 1989
Im August 1988 schlägt die Publizistin Lea Rosh auf einer Podiumsdiskussion vor, auf dem ehemaligen Gestapo-Gelände in Berlin-Kreuzberg ein »Mahnmal als sichtbares Bekenntnis zur Tat« zu errichten. Im Januar 1989 veröffentlicht Lea Rosh zusammen mit dem Historiker Eberhard Jäckel den ersten Aufruf der Bürgerinitiative »Perspektive Berlin« für die Errichtung eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas. Das Vorhaben gewinnt unter anderem die Unterstützung von Willy Brandt und Günter Grass.

Februar 1990
Nach dem Fall der Mauer schlägt der aus der Bürgerinitiative hervorgegangene »Förderkreis zur Errichtung eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas« als neuen Standort ein Gelände nördlich der früheren Reichskanzlei in den ehemaligen Ministergärten vor.

April 1992
Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl unterstützt die Initiative zur Errichtung eines Denkmals und erklärt sich bereit, dafür eine Teilfläche des Geländes der ehemaligen Ministergärten zur Verfügung zu stellen.

Frühjahr 1995
Bei einem von der Berliner Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen ausgelobten offenen künstlerischen Wettbewerb für das Denkmal werden 528 Arbeiten eingereicht. Nach Prüfung aller Arbeiten empfiehlt die Jury unter Vorsitz von Walter Jens die Vergabe von zwei ersten Preisen an Simon Ungers (Köln/New York) und an Christine Jackob-Marks, Hella Rolfes, Hans Scheib und Reinhard Stangl (Berlin).

Juni 1995
Bundeskanzler Helmut Kohl spricht sich gegen die Empfehlung der Auslober zur Realisierung der Arbeit von Jackob-Marks, Rolfes, Scheib und Stangl aus. Das Vorhaben gerät in eine ernste Krise.

Juni 1997
Nach Durchführung eines dreistufigen Colloquiums, auf dem internationale Experten das Projekt und den Standort zum Teil äußerst kontrovers diskutieren, verständigen sich die Auslober darauf, an der Konzeption des Denkmals für die ermordeten Juden Europas und am vorgesehenen Standort in den ehemaligen Ministergärten festzuhalten. Sie beschließen, dafür ein neues, engeres Wettbewerbsverfahren einzuleiten sowie eine fünfköpfige Findungskommission einzusetzen. Für dieses Verfahren werden 25 zum Teil international bekannte Architekten und Bildhauer eingeladen.

November 1997
Die Findungskommission empfiehlt die Entwürfe von Peter Eisenman/Richard Serra (New York) und Gesine Weinmiller (Berlin). Die Auslober übernehmen diese Empfehlung und schlagen ergänzend die Entwürfe von Jochen Gerz (Paris) und Daniel Libeskind (Berlin) vor.

Januar/Februar 1998
In der intensiven öffentlichen Debatte über das Projekt und die ausgestellten Arbeiten schält sich der Entwurf von Eisenman/Serra als Favorit heraus. Auf Anregung von Bundeskanzler Helmut Kohl wird der Entwurf von Eisenman/Serra überarbeitet.

Sommer 1998
Der überarbeitete Entwurf (»Eisenman II«) wird von Peter Eisenman vorgelegt, nachdem der Bildhauer Richard Serra sich aus dem Projekt zurückgezogen hat. Wegen des bevorstehenden Bundestagswahlkampfes kommt es nicht mehr zu weiteren Entscheidungen.

Oktober 1998
Die neugewählte Bundesregierung von SPD und Grünen beschließt in ihrer Koalitionsvereinbarung, die Entscheidung über das Denkmal vom Deutschen Bundestag treffen zu lassen.

Dezember 1998/Januar 1999
Der neue Staatsminister für Kultur und Medien, Michael Naumann, plädiert für eine Kombination des Denkmals mit einem Bibliotheks- und Forschungszentrum, dem »Haus der Erinnerung«, und präsentiert zusammen mit dem Architekten Peter Eisenman dafür einen erneut modifizierten Entwurf (»Eisenman III«).

25. Juni 1999
Nach mehreren Anhörungen und Ausstellungen beschließt der Deutsche Bundestag, ein Denkmal für die ermordeten Juden nach dem Entwurf eines Stelenfelds von Peter Eisenman (»Eisenman II«) auf dem vorgesehenen Standort zu errichten. Es soll um einen »Ort der Information« über die zu ehrenden Opfer und die authentischen Stätten des Gedenkens ergänzt werden. Für die Umsetzung des Bundestagsbeschlusses wird eine Stiftung eingesetzt.

27. Januar 2000
Auf dem Denkmalgelände wird der symbolische Baubeginn gefeiert.

März 2000
Das Kuratorium der neu gegründeten »Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas« wählt unter Vorsitz von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse die Politologin Professor Sibylle Quack zur Geschäftsführerin. Gleichzeitig wird eine Arbeitsgruppe aus den Reihen des Kuratoriums eingerichtet, die eine Grundkonzeption für den Ort der Information erarbeitet (zu ihren Mitgliedern zählen Prof. Dr. Eberhard Jäckel, Dr. Andreas Nachama, Prof. Dr. Reinhard Rürup und die Geschäftsführerin, Prof. Dr. Sibylle Quack).

Mai 2000
Das Kuratorium beauftragt den Architekten Professor Peter Eisenman mit einer Machbarkeitsstudie für einen unterirdischen Ort der Information.

November 2000
Der Deutsche Bundestag bewilligt auf Grundlage der von Architekt und Stiftung vorgelegten Kostenschätzung die Summe von 25,3 Millionen Euro für den Bau des Denkmals (Stelenfeld und Ort der Information) sowie von 2,3 Millionen Euro für den Ausstellungsbau und die Erstausstattung des Orts der Information.

Januar 2001
Als Ergebnis eines engeren Auswahlverfahrens beauftragt die Stiftung die Berliner Ausstellungsgestalterin Dagmar von Wilcken mit einem Gestaltungskonzept für den Ort der Information.

Mai 2001
Auf dem Baugelände werden die ersten Probestelen aufgestellt.

November 2001
Die Stiftung veranstaltet ein internationales Symposium zu Denkmal und Ort der Information mit Historikern, Museumspädagogen, Kunsthistorikern und Architekturtheoretikern.

ab November 2002
Bauvorbereitende Maßnahmen auf dem Baugrundstück.

März 2003
Nach Abschluss aller wesentlichen Ausschreibungen und Auswertung der Angebote werden die Aufträge für den größten Teil des Bauvolumens erteilt, darunter die Stelen, der Rohbau des Orts der Information und die Pflasterarbeiten.

April 2003
Im Frühjahr 2003 beginnt der Bau des Denkmals. Gleichzeitig wird am Bauzaun des Baugeländes ein Informationspodest aufgestellt.

September 2003
Abschluss der Betonagearbeiten für die Bodenplatte des Orts der Information.

Oktober/November 2003
Nach Montage der ersten Stelen führt die öffentliche Diskussion über die Verwendung von Produkten der Firma Degussa bei der Herstellung der Stelen zu einem Beschluss des Kuratoriums, den Einsatz dieser Produkte sowie mögliche Alternativen zu überprüfen. Nach Vorlage eines detaillierten Prüfberichts entscheidet das Kuratorium im November, dass der Bau des Denkmals mit den Produkten der Firma Degussa fortgeführt wird.

November 2003
Die Jugendwebseite der Stiftung »Kinder und Jugendliche als Opfer der NS-Verfolgung« geht online.

März 2004
Nach dem Ausscheiden von Professor Sibylle Quack übernimmt Dr. Hans-Erhard Haverkampf das Amt des Geschäftsführers.

April 2004
Betonage der Decke des Orts der Information.

12. Juli 2004
Anlässlich der Fertigstellung der Kassettendecke des unterirdischen Orts der Information und der Montage der Hälfte der insgesamt 2.711 Stelen wird in Anwesenheit des Architekten das Richtfest gefeiert.

August 2004
Beginn der Montage der Betonfertigteile für den Ort der Information.

ab Oktober 2004
Hochphase des Innenausbaus und Beginn der Ausstellungseinbauten im Ort der Information.

3. Dezember 2004
Die im Sommer des Jahres umgestaltete Webseite der Stiftung wird mit dem silbernen »Biene-Award« der Aktion Mensch für barrierefreies Internet in der Kategorie »Kultur und Gesellschaft« ausgezeichnet.

15. Dezember 2004
Öffentlicher Akt zur Montage der letzten von 2.711 Stelen des Stelenfelds.

10. Mai 2005
Feierliche Eröffnung des Denkmals mit 1.200 Gästen aus dem In- und Ausland; das Ereignis wird live auf ARD, ZDF und Phoenix übertragen.

12. Mai 2005
Übergabe des Denkmals an die Öffentlichkeit; bis Ende 2005 besuchen etwa 350.000 Gäste den Ort der Information.

19. November 2005
Der Staatspräsident Kroatiens, Stjepan Mesic, besucht das Denkmal.

15. Februar 2006
Peter Eisenmans Denkmal für die ermordeten Juden Europas erhält in New York die renommierte Auszeichnung der US-Zeitschrift »Travel and Leisure« im Bereich »Kulturbauten/Kulturelle Räume«.

Mai 2006
Anlässlich des ersten Jahrestages der Übergabe des Denkmals an die Öffentlichkeit zieht die Stiftung eine durchweg positive Bilanz: geschätzte 3,5 Millionen Menschen besuchten das Stelenfeld und über 500.000 den Ort der Information.

September 2006
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas zählt zu den fünf Nominierten des »Urban Landscape Award« der EuroHypo-Bank Frankfurt/Main.

3. November 2006
Das Eisenmansche Stelenfeld erhält eine der sieben Auszeichnungen des »Architekturpreises Berlin«. Die internationale Jury aus Architekten und Architekturkritikern ehrt damit »vorbildliche und richtungsweisende Beispiele in Architektur und Städtebau«.

5. November 2006
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas erringt den zweiten Platz beim »Globe Award for Best Worldwide Tourism Project« der »British Guild of Travel Writers« während ihres jährlichen »World Travel Market« in London.

3. Mai 2007
Das Holocaust-Denkmal erhält den renommierten »Honor Award for Architecture« des American Institute of Architects (AIA). Dieser Preis gilt als höchste Anerkennung für Architektur in den USA und zählt weltweit zu den bedeutendsten Auszeichnungen in diesem Bereich.

9. Mai 2007
Der Ort der Information des Denkmals für die ermordeten Juden Europas wird mit dem »Excellence Award« der International Association of Lighting Designers (IALD) ausgezeichnet.

12. Juni 2007
Kulturstaatsminister Bernd Neumann begrüßt den millionsten Besucher im Ort der Information des Denkmals für die ermordeten Juden Europas. Knapp sieben Millionen Menschen durchwanderten bisher das Stelenfeld.

23. Januar 2008
Die Besucher des Denkmals erhalten über einen Computerplatz direkten Zugang zu dem vom Bundesarchiv veröffentlichten »Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialisstischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945«.

9. Mai 2008
Annähernd 2000 Besucher erleben am 9. Mai 2008 im Stelenfeld des Denkmals für die ermordeten Juden Europas ein bewegendes Konzert. 24 Musiker der Kammersymphonie Berlin haben sich zwischen den Stelen verteilt, um gemeinsam mit dem Dirigenten Lothar Zagrosek ein Stück von Harald Weiss zu spielen. Weiss hat das 17-minütige Stück mit dem Titel »Vor dem Verstummen« eigens zum dritten Jahrestag der Eröffnung des Denkmals komponiert. Zu der Welturaufführung im Stelenfeld eingeladen hat der Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Der Initiator des Konzerts war Daniel-Jan Girl.

18. November 2008
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und sein israelischer Amtskollege Avi Dichter besuchen gemeinsam das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Beide Minister werden von Uwe Neumärker, Geschäftsführer der Stiftung, durch die unterirdische Ausstellung im Ort der Information geführt. Der Minister aus Israel legt im Anschluss an seinen Besuch im Stelenfeld zu Ehren der Holocaust-Opfer einen Kranz nieder.

26. Januar 2009
Im Vorfeld des nationalen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus besucht die Bundeskanzlerin Angela Merkel in Begleitung des Regierungssprechers Ulrich Wilhelm den Ort der Information. Durch die Ausstellung führen Lea Rosh, Uwe Neumärker und Dr. Ulrich Baumann.

26. August 2009
Im Ort der Information wird der zweimillionste Besucher begrüßt.

 

 

1. September 2009
Die Wanderausstellung »Was damals Recht war…« wurde als dreizehnte Station erstmal in Österreich, im Theater Nestroyhof Hamakom in Wien, von der Präsidentin des österreichischen Nationalrates, Barbara Prammer, feierlich eröffnet.

 

3. / 4. September 2009
Vor dem Hintergrund des 70. Jahrestages des Beginns des Zweiten Weltkrieges und des 20. Jahrestages des politischen Umbruchs in Mittel- und Osteuropa veranstalteten die Stiftungen »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft!« (EVZ) und Denkmal für die ermordeten Juden Europas am 3. und 4. September 2009 die internationale Konferenz »Entfesselte Erinnerung, die Auseinandersetzung mit Völkermord, Zwangsarbeit und dem Zweiten Weltkrieg nach 1989« in der Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz in Berlin.

7. September 2009
Der australische Premierminister Kevin Rudd besucht das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung, überreicht dem Gast eine Biografie der Holocaust-Überlebenden Sabina van der Linden-Wolanski, die heute in Australien lebt.

18. Januar 2010
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu besucht im Rahmen der deutsch-israelischen Regierungskonsultationen das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Er wird begleitet von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

5. Mai 2010
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas besteht fünf Jahre. Zur Feier nach Berlin kommt der amerikanische Architekt Peter Eisenman, der das Stelenfeld mit seinem unterirdischen Ort der Information entworfen hat.

26. Mai 2011
Victoria von Schweden und Prinz Daniel besuchen das Denkmal für die ermordeten Juden Europas.