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Fünf neue Stolpersteine in Ueckermünde

  • 22. Mai 2026
  • Aktuelles, Veranstaltungsbericht

Am 19. Mai 2026 wurden in Ueckermünde fünf neue Stolpersteine verlegt. In der Ueckerstraße 55 erinnern drei Stolpersteine an die jüdische Familie Pless, zwei weitere Steine im Bornbruchweg 3 und in der Liepgartener Straße 10 erinnern an Mitglieder der Zeugen Jehovas, die aufgrund ihres Glaubens verurteilt und verhaftet wurden.

Zur Verlegung der Stolpersteine für Else, Paul und Ingrid Pless sprach Bürgermeister Jürgen Kliewe darüber, wie die Familie Pless gezwungen wurde, das Haus und das Geschäft zu verkaufen, und wie sie mit einem der letzten Schiffe vor Kriegsbeginn nach Bolivien fliehen konnte.

Ueckermünde 19. Mai 2026: Bürgermeister Jürgen Kliewe © Falk Bersch
Ueckermünde 19. Mai 2026: Bürgermeister Jürgen Kliewe © Falk Bersch

Der Stein für Martha Gehrke im Bornbruchweg 3 ist der erste Stolperstein in der Stadt Ueckermünde, der an eine Zeugin Jehovas erinnert. Er ist zugleich der 500. Stolperstein für einen Zeugen Jehovas insgesamt. Bislang wurden neben Hunderten Stolpersteinen in Deutschland auch 38 in Österreich, zwei in Tschechien und einer in den Niederlanden für Zeugen Jehovas verlegt.


Martha Gehrke wurde 1936 das erste Mal aufgrund ihrer Glaubensausübung zu einer Haftstrafe verurteilt. Im April 1937 erfolgte eine erneute Verhaftung. Eine sechsmonatige Gefängnisstrafe verbüßte die Zeugin Jehovas in Greifswald. Anschließend wurde sie in das KZ Lichtenburg überstellt, von dort im Mai 1939 in das KZ Ravensbrück. 1945 wurde Martha Gehrke befreit. Sie floh 1950 nach dem Verbot der Zeugen Jehovas in der DDR nach Westberlin und entging so einer erneuten Verhaftung.

Ueckermünde 19. Mai 2026: Stolperstein Martha Gehrke © Falk Bersch
Ueckermünde 19. Mai 2026: Stolperstein Martha Gehrke © Falk Bersch

Die Geschichte von Martha Gehrke wurde von Schülerinnen und Schülern der AG »Kriegsgräber« an der Europaschule in Rövershagen recherchiert. Im Rahmen eines von der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« geförderten Projekts veröffentlichen sie ihre Rechercheergebnisse auf der Webseite »Biographien verfolgter Zeugen Jehovas«, die Mitte Juni online geht. Zur Verlegung des Stolpersteins sprachen auch Uwe Langhals, Vorstand der Arnold-Liebster-Stiftung, und Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

Auch Bruno Scheide war Zeuge Jehovas. Der Stein in der Liepgartener Straße 10 erinnert an sein Schicksal. Er verweigerte den Kriegsdienst, wurde verhaftet und Anfang 1945 ins KZ verschleppt. Bis heute ist sein Verbleib ungeklärt.


In Ueckermünde erinnern nun insgesamt 19 Stolpersteine an das Schicksal von Menschen, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden.

In 31 europäischen Ländern erinnern über 116.000 Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Beitragsfoto: Martha Gehrke, 1952 © LAMV, 7.21-1-2, Z83/1991, Nr. 583

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Martha Gehrke, 1952 © LAMV, 7.21-1-2, Z83/1991, Nr. 583

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22. Mai 2026

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Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas ist eine bundesunmittelbare Stiftung, die das Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit dem Ort der Information und das  Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma sowie den Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde betreut.

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Georgenstraße 23
10117 Berlin
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