Werkstattberichte

24. Januar 2019

Zu Gast in Ostfriesland – Wanderausstellung »Alles brannte!« in Norden eröffnet

Anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar präsentieren die Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld und der Ökumenische Arbeitskreis Synagogenweg Norden e. V. die Sonderausstellung »Alles brannte!«.

Zur Eröffnung am Abend des 24. Januar 2019 kamen über 70 Gäste.
Lennart Bohne, Leiter der Dokumentationsstätte, trug zu Beginn seiner Begrüßung das Gedicht »Erdbeben« der 1892 in Norden geborenen Recha Freier vor:

Der Stadtgarten
Das goldglänzende Gitter
Geschlossen
ein großes weißes Pappschild
Ein Rahmen aus schwarzem Papier
Eintritt für Hunde
und Juden verboten!

Es folgte ein kurzes Grußwort von Walter Demandt, Ökumenischer Arbeitskreis, anschließend hielt Uwe Neumärker einen Einführungsvortrag. Die Ausstellung beleuchtet jüdisches Leben in der ältesten und der jüngsten preußischen Provinz, in Ostpreußen und Hannover. Wahrzeichen von überregionaler Bedeutung bildeten die 1870 bzw. 1896 eingeweihten Neuen Synagogen in Hannover und Königsberg. In beiden Provinzen breitete sich unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise der 1870er Jahre ein politischer Antisemitismus aus, der sich mit dem entstehenden Rassismus verband. 1933 wurde dieser zum Regierungsprogramm: Das neue nationalsozialistische Regime erklärte Juden zu »Volksfeinden« und verfolgte sie. Im Sommer 1935 trieben Nationalsozialisten vermehrt Menschen in sogenannten Prangerumzügen durch die Straßen. Sie richteten sich gegen Juden und Nichtjuden, die in Liebesbeziehungen verbunden waren. Hier ist eine berühmte Fotoserie aus Norden überliefert.

Während der sogenannten Kristallnacht in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 plünderte ein aufgestachelter Mob Geschäfte von Juden und setzte Synagogen in Brand; Fotos aus Hannover und Königsberg sind Motive des Ausstellungsplakats. Ab Herbst 1941 begannen die Deportationen in den Osten. Zum Abschluss stellte Neumärker den Umgang mit der Erinnerung an den Holocaust im 1946 gegründeten Bundesland Niedersachsen und seitens des Bundes der Vertriebenen wie auch in den heute polnischen und russischen Gebieten der früheren Provinz Ostpreußen dar.

Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung blieben viele der Norder Teilnehmer noch und tauschten sich mit Uwe Neumärker über die Arbeit der Stiftung Denkmal in Berlin sowie über die aktuelle politische Stimmung in Deutschland aus.



Bild: Uwe Neumärker, Lennart Bohne, Walter Demandt und weitere Unterstützer; Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Lennart Bohne, Leiter der Dokumentationsstätte; Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Uwe Neumärker; Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Einladung zur Ausstellung