Werkstattberichte

28. August 2013

Interview mit Chava Livni

Die gebürtige Pressburgerin berichtet über ihre Zeit im Widerstand und die Haft in Auschwitz, Freiberg und Mauthausen

Als Chava Livni im Herbst 1944 nach Auschwitz-Birkenau transportiert wurde, wusste sie, was mit den dorthin Deportierten geschah. Durch den engen Kontakt des Vaters zum Widerstand hatte sie zuvor Einsicht in die so genannten Auschwitz-Protokolle. Trotz der drohenden Ermordung behielt sie ihre Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit.

Als erste von zwei Töchtern wurde Chava Livni 1926 in Pressburg geboren und erlebte eine glückliche Kindheit innerhalb ihrer jüdischen Familie. Als Jugendliche engagierte sie sich in der Jugendorganisation Makkabi Hatzair. Um anderen Juden das Überleben zu ermöglichen, arbeitete sie ab 1942 unter anderem im Untergrund bei der Erstellung von gefälschten Papieren. Durch eine falsche Nachricht bedingt, verließ die Familie im September 1944 ihr Versteck und wurde umgehend über Sered nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Von dort konnte Chava Livni gemeinsam mit ihrer Schwester in einen Transport nach Freiberg gelangen, wo sie Zwangsarbeit leisten musste. Im April 1945 wurde das Zwangsarbeitslager geräumt und die beiden in das Konzentrationslager Mauthausen gebracht, wo sie kurze Zeit später befreit wurden. Nach der Rückkehr nach Pressburg arbeitete Chava Livni für die Jugendorganisation und leitete unter anderem ein jüdisches Kinderheim. Gemeinsam mit ihrem Mann Max wanderte sie 1949 nach Israel aus. Zu Beginn lebten sie und ihre Familie im Kibbuz, bis sie 1951 nach Kirjat Tivon zogen. Zum Zeitpunkt des Interviews war sie 86 Jahre alt.

Chava Livni (01163/sdje/0058). Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, 18. März 2013 (Kirjat Tivon). Durchführung: Lennart Bohne, Daniel Baranowski, und Daniel Hübner. Transkription und Bearbeitung: Christoph Schönborn.

Kirjat Tivon, 18. März 2013