Werkstattberichte

13. August 2012

Chanan Bachrich

Prag-Interviews vom Winter 2011 komplettiert

Sein starker Überlebenswille gab Chanan Bachrich den Mut zur Flucht aus dem Ghetto Zamosch und die Erkenntnis, dass er nur mit der Unterstützung anderer das Kriegsende erleben würde. Durch einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn und gegenseitige Hilfe überlebte er mehrere Ghettos und Konzentrationslager.


Chanan Bachrich wurde 1924 als zweites Kind einer assimilierten jüdischen Familie im böhmischen Aussig geboren. Als Halbwaise wuchs er in Prag auf und erlebte dort als Fünfzehnjähriger den Einmarsch der deutschen Wehrmacht und die Entrechtung der jüdischen Bevölkerung. Als Achtzehnjähriger wurde er zunächst in die Ghettos Theresienstadt und Zamosch und anschließend in die Konzentrationslager Auschwitz, Warschau und Kaufering deportiert. Er schaffte es stets, sich soziale Netzwerke zu schaffen und aus eigenem Antrieb sein Überleben zu sichern. Nach seiner Befreiung kehrte er nach Prag zurück, wo er heiratete und seine Ausbildung zum Elektriker und Flugzeugmechaniker abschloss. Gemeinsam mit seiner Frau emigrierte er 1949 nach Ramat Gan, Israel. Er eröffnete eine Kfz-Werkstatt und gründete eine Familie. Zum Zeitpunkt des Interviews war Chanan Bachrich 87 Jahre alt.

Chanan Bachrich (01142/sdje/0038), 22. November 2011 (Ramat Gan). Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Durchführung: Barbara Kurowska, Daniel Baranowski und Daniel Hübner. Bearbeitung: Teresa Schäfer.

Ramat Gan, 22.11.2011