Werkstattberichte

08. August 2018

Besuch von Holocaustüberlebenden und Angehörigen im Juni und Juli 2018

Fünfzehn jüdische Familienschicksale werden im Raum der Familien – im Ort der Information unter dem Holocaust-Denkmal – dargestellt und zeigen unterschiedlichste soziale, nationale, kulturelle und religiöse Lebenswelten. Gezeigt wird nicht nur die Vielfalt der Lebenswelten der europäischen Juden, sondern auch der Kontrast zwischen dem Leben vor, während und nach der Verfolgung.

Regelmäßig besuchen Holocaustüberlebende – oftmals mit ihren Angehörigen, Familienmitglieder der zweiten oder gar dritten Generation – das Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

So besichtigte am 22. Juni 2018 die Zeitzeugin Ruth Malin den Ort der Information. Im Jahr 2013 hatte die Stiftung Denkmal Ruths Ehemann – den 89-jährigen Überlebenden Simcha Malin – für das Videoprojekt »Sprechen trotz allem« interviewt. Ein Jahr später veröffentlichte die Stiftung die Lebenserinnerungen der jüdischen Zwillinge Regina Steinitz und Ruth Malin unter dem Titel »Zerstörte Kindheit und Jugend. Mein Leben und Überleben in Berlin« als elften Band in ihrer Zeitzeugenreihe.
Ruth Malin kam mit einer Freundin zum Ort der Information und sah sich nach der Ausstellung das Interview ihres Ehemanns an. Sie dankte anschließend allen Mitarbeitern herzlich. »Ich bin sehr dankbar für dieses Denkmal und die Arbeit, die Sie hier leisten.«

Etwa drei Wochen später – am 12. Juli – besuchte die in den Niederlanden geborene Holocaustüberlebende Rodi Glass, zusammen mit einem Freund, den Ort der Information. Sie besichtigte die Ausstellung, unterhielt sich mit den Stiftungsmitarbeitern unter anderem über die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten des Denkmals und trug sich abschließend – mit großem Dank – in das Gästebuch ein.
Rodi Glass war während der Zeit des Nationalsozialismus, aufgrund der britischen Staatsbürgerschaft ihrer Mutter, nicht in ein Konzentrationslager in Polen oder Deutschland deportiert worden – wie viele andere niederländischen Juden, sondern wurde nach Vittel in Frankreich verschleppt, wo die Nationalsozialisten sie festhielten, in der Hoffnung, sie gegen deutsche Gefangene in Übersee austauschen zu können. Heute lebt Rodi Glass in den Vereinigten Staaten.

Manchmal kommen jedoch nur noch die Kinder oder Enkel zu Besuch an das Denkmal für die ermordeten Juden Europas: Am 3. Juli besichtigten Felipe Dreyfuss und Cordoba Gimenez aus Chile, Angehörige in der dritten Generation der Familie Dreifuss, in Begleitung eines Freundes, den Ort der Information. Die Lebens- und Verfolgungsgeschichte der Familie Dreyfuss aus Deutschland und dem Elsass ist eines der fünfzehn im Raum der Familien dargestellten Familienschicksale.

Bild: links: Regina Steinitz und Ruth Malin 2005 in Berlin, rechts: Deckblatt des Zeitzeugenberichts »Zerstörte Kindheit und Jugend. Mein Leben und Überleben in Berlin«

Bild: Rodi Glass in der Lesestube des Orts der Information. Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Felipe Dreyfuss und Cordoba Gimenez; Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Gästebucheintrag von Felipe Dreyfuss; Foto: Stiftung Denkmal