16. Juni 2016

Vergessene Massengräber des Holocaust in Osteuropa

Fortsetzung des Projektes »Protecting Memory – Erinnerung bewahren«

Auch 75 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion existieren noch tausende weitgehend unbekannte Massengräber des Holocaust auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, die häufig weder markiert noch geschützt sind. In den nächsten drei Jahren sollen fünf dieser unbekannten Massengräber in der Ukraine baulich geschützt und als würdige Grab- und Gedenkstätten gestaltet werden. Das 2010 von Yahad–In Unum inspirierte und vom American Jewish Committee Berlin Ramer Institute erfolgreich durchgeführte Pilotprojekt »Protecting Memory« wird nun von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas weitergeführt.

Die Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen wurde durch eine erste Vorortbesichtigung der Grabplätze in verschiedenen Verwaltungsregionen der Ukraine, u.a. in Kiew, Shytomyr, Mykolajiw und Cherson, deutlich. Während der Erkundungsreise wurde der aktuelle Zustand von zahlreichen Erschießungs- und Grabstätten des Holocaust beurteilt, der in vielen Fällen beklagenswert ist. Die Massengräber sind häufig nicht markiert und vor den Einwirkungen der Natur und der Menschen nicht geschützt. Die Gedenksteine – soweit überhaupt vorhanden – enthalten nur teilweise Angaben über die Opferzahlen, mitunter gelangen die Gebeine der Opfer an die Oberfläche. Zugleich wurde die lokale Infrastruktur mit Blick auf die Durchführung des Projektes als auch auf seine Nachhaltigkeit geprüft. Im Anschluss an die Erstbesichtigung sollen vier Massengräber mit jüdischen Opfern und ein Massengrab der Roma ausgewählt werden.

Hintergrund

Im Zuge des Pilotprojekts »Protecting Memory« (2010–2015) wurden bereits im Sommer 2015 fünf Gedenkstätten für Opfer des Holocaust in den Orten Rawa-Ruska, Kysylyn, Ostroshez, Prochid und Bachiw in der Westukraine errichtet. Aufgrund der weittragenden Bedeutung des Pilotprojektes fördert das Auswärtige Amt auch das Nachfolgeprojekt. Das Ziel besteht darin, weitere ungeschützte Grabstätten zu lokalisieren, zu gestalten und baulich zu schützen, um damit die Geschichte der Projektorte sichtbar zu machen und zusätzlich pädagogische Arbeit mit lokalen Schulen sowie die Bekanntmachung des Projektes gegenüber der ukrainischen, deutschen und internationalen Öffentlichkeit zu ermöglichen.