Anlässlich des 90. Jahrestages der Gründung des Konzentrationslagers Sachsenhausen fand am 30. Juni 2026 von 19.00 bis 21.00 Uhr im Auditorium der Stiftung Topographie des Terrors eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit rund 60 Gästen statt.
Nach der Begrüßung durch Dr. Andrea Riedle, Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors, diskutierten Dr. Andrea Kaltofen, ehemalige Leiterin der Gedenkstätte Esterwegen, Dr. Astrid Ley, Vorsitzende der Ständigen Konferenz der NS-Gedenkorte im Berliner Raum (2026) und Leiterin der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen, sowie Prof. Dr. Johannes Tuchel, ehemaliger Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Die Moderation übernahm Prof. Dr. Günter Morsch, ehemaliger Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.
Ausgangspunkt der Veranstaltung war die Gründung des Konzentrationslagers Sachsenhausen im Sommer 1936. Im Juli jenes Jahres trafen die ersten 50 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Esterwegen in Oranienburg ein und wurden unter Zwang zum Aufbau des neuen Lagers eingesetzt. Mit der offiziellen Inbetriebnahme am 5. September 1936 entwickelte sich Sachsenhausen rasch zu einem der zentralen Konzentrationslager des nationalsozialistischen Herrschaftssystems. Bereits Anfang 1937 waren nach der Auflösung anderer Lager mehr als 1.600 Häftlinge in Sachsenhausen inhaftiert. Unter unmenschlichen Bedingungen errichteten sie einen weitläufigen Lagerkomplex mit Häftlingslager, SS-Anlagen, Wohnsiedlungen sowie zahlreichen infrastrukturellen und wirtschaftlichen Einrichtungen. Bis 1945 wurden mehr als 200.000 Menschen aus zahlreichen europäischen Ländern im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert; mehr als 50.000 von ihnen überlebten die Haft nicht.
Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion standen Kontinuitäten und Diskontinuitäten in der Entwicklung des Konzentrationslagersystems. Die Diskussion gliederte sich in drei zentrale Themenfelder. Zunächst wurde die Frage nach den Tätern behandelt: Inwieweit veränderte sich der Täterkreis im Verlauf der NS-Herrschaft, und überwogen dabei Kontinuitäten oder Brüche? Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Opfern. Diskutiert wurde, wie sich die Zusammensetzung der Häftlingsgruppen im Laufe der Jahre wandelte und welche weiteren Opfergruppen im Verlauf der nationalsozialistischen Verfolgung in das Konzentrationslagersystem verschleppt und dort inhaftiert wurden. Der dritte Aspekt betraf die Entwicklung des KZ-Terrors. Dabei wurde erörtert, ob sich dieser vor allem quantitativ – etwa durch die Ausweitung des Lagersystems – oder auch qualitativ durch neue Formen der Gewalt, Ausbeutung und Verfolgung veränderte.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion bestand für das Publikum die Gelegenheit, Fragen an die Podiumsgäste zu richten. Die anschließende Fragerunde wurde rege genutzt und griff zahlreiche weiterführende Aspekte der Diskussion auf.
Fotos: Dr. Astrid Ley, Prof, Dr. Johannes Tuchel, Dr. Andrea Kaltofen und Prof. Dr. Morsch im Gespräch. © Topographie des Terrors










