Am 29. und 30. April 2026 fand die »Fachkonferenz zum Gestaltungswettbewerb für ein Denkmal für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges und die Opfer der deutschen Besatzung in Polen 1939 –1945. Konzepte und neue Perspektiven« statt.
Am 29.04.26 eröffneten der Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer und die polnische Ministerin für Kultur und nationales Erbe Marta Cienkowska die Auftaktveranstaltung. Weimer wies auf die Wichtigkeit eines gemeinsamen Gedenkens von Deutschland und Polen hin und äußerte die Hoffnung, dass das Denkmal für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges hierzu einen wichtigen Beitrag leisten werde. Cienkowska mahnte, den Dialog zwischen beiden Ländern niemals abreißen zu lassen, um Unwissenheit und vereinfachenden Darstellungen historischer Themen vorzubeugen.
Als erste Keynote-Speakerin erinnerte Katrin Steffen vom Nordost-Institut an der Universität Hamburg an verschiedene historische Stationen der deutsch-polnischen Erinnerungskultur und der anfangs marginalen Position, die diese in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft einnahm. In der zweiten Keynote wies Robert Traba vom Instytut Studiów Politycznych PAN in Warschau unter anderem auf die unterschiedliche Wahrnehmung der Begriffe »Nation« und »Nationalismus« in Deutschland und Polen hin, wodurch unter anderem einige Missverständnisse in den deutsch-polnischen Erinnerungsdebatten geklärt werden konnten.
Danach ergaben sich erste angeregte Gespräche am Buffet.
Am 30.04. standen die Panels mit Expertinnen und Experten auf der Tagesordnung..
Nach Begrüßungen durch Bozhena Kozakevych und Robert Parzer vom Deutsch-Polnischen Haus sowie Igor Kąkolewski vom Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften fand das erste Panel zum Thema »Entwicklung der Erinnerungskultur in Deutschland und in Polen nach 1989« statt. Teilnehmer:innen des Panels waren Andrea Genest von der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Maciej Górny vom Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau, Hanna Radziejowska vom Pilecki-Institut in Berlin und Jonas Rees von der Universität Bielefeld . Im Mittelpunkt der Diskussion standen unterschiedliche Perspektiven und Formen der Erinnerungskultur(en) in Polen und Deutschland, der aktuelle Stand des historischen Wissens in der deutschen Gesellschaft sowie die Frage, welche Formen der Begleitung ein deutsch-polnisches Denkmal benötigen würde, um eine konkrete gesellschaftliche Wirkung zu entfalten.
Am zweiten Panel zum Thema »Denkmäler zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg (Deutschland, Polen, Europa)« nahmen Stefanie Endlich, Autorin und Ausstellungsmacherin, Tomasz Kranz vom Staatlichen Museum in Majdanek und Natalia Romik, Künstlerin und Architektin teil. Moderiert wurde die Diskussion von Katarzyna Sitko vom Polnischen Institut Berlin und Igor Kąkolewski. Es begann mit einem kunsthistorischen Input von Stefanie Endlich zu verschiedenen in der Vergangenheit realisierten Denkmalskonzepten für die Opfer des Holocaust und andere vom NS-Regime Verfolgte. Daraufhin stellte Natalia Romik verschiedene Stationen ihres künstlerischen Schaffens und eigene Überlegungen zur Gestaltung von Denk- und Mahnmalen vor. Den Abschluss bildete ein Vortrag von Tomasz Kranz über die Gestaltung des Gedenkstättenareals des ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslagers in Majdanek/Lublin.
Am nächsten Panel »Nur ein Denkmal? Erinnerungsprojekte und Dokumentationszentren« nahmen Christine Glaunig vom Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin, Marcin Napiórkowski vom Museum der Geschichte Polens in Warschau, Uwe Neumärker von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin und Dariusz Stola vom Museum der Geschichte der polnischen Juden POLIN in Warschau unter der Moderation von Deborah Hartmann von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin teil. Die Diskussion drehte sich um verschiedene Aspekte des zu konzipierenden Denkmals, z.B. um die Frage der Widmung und deren Implikationen. In diesem Kontext gab es auch längere Ausführungen aus dem Publikum, die von den Teilnehmenden des Panels aufgegriffen wurden.
Im Abschlusspanel diskutierten Maciej Korkuć vom zum Institut für Nationales Gedenken gehörenden regionalen Büro für das Gedenken an Kampf und Martyrium in Krakau, Peter Oliver Loew vom Deutschen Polen-Institut in Darmstadt, Cornelia Siebeck von der Topographie des Terrors in Berlin, Michał Syska vom Amt für Angelegenheiten der Kombattanten und politisch Verfolgten in Warschau, Paweł Ukielski vom Museum des Warschauer Aufstandes und Rafał Wnuk vom Museum des Zweiten Weltkrieges in Danzig. Die Moderation übernahm Christoph von Marschall vom »Tagesspiegel«. Das abschließende Panel bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Eindrücke und Gedanken zum im Zuge der Konferenz behandelten Inhalten zu äußern und eigene Perspektiven in die Diskussion einzubringen. Der vielseitige, kritische Austausch gab sowohl den Podiumsgästen als auch dem Publikum zahlreiche Anregungen mit auf den Weg und bildete einen gelungenen Übergang zum abschließenden Get Together.
Die Konferenz machte deutlich, wie groß der Gesprächsbedarf zu diesem Thema ist und als wie wichtig das geplante Denkmal wahrgenommen wird. Gleichzeitig betonten die meisten Gäste, dass neben dem Denkmal auch das Deutsch-Polnische Haus als ein Ort der Information und Begegnung notwendig sei, um das Denkmal historisch und gesellschaftlich zu kontextualisieren sowie weiterführende Bildungs- und Informationsangebote zu schaffen.
Wir danken allen Teilnehmer:innen, Mitorganisator:innen und dem Publikum für das Gelingen der Fachkonferenz, die uns als Deutsch-Polnischem Haus neue Impulse und Denkmöglichkeiten bot und unserer weiteren Arbeit neue, spannende Konturen verlieh.







