Werkstattberichte

11. August 2014

Wanderausstellung zur Wehrmachtjustiz im Deutschen Panzermuseum – Die Stiftung Denkmal präsentiert »Was damals Recht war…« in Munster

Anne Langer

Über seine Besucherzahlen kann sich das Deutsche Panzermuseum im niedersächsischen Munster nicht beklagen. Mehr als 100.000 Technikliebhaber besuchen jährlich das 10.000qm große Areal, auf dem mehrere tausend Kampffahrzeuge und andere Geschütze präsentiert werden.

Seit Juni dieses Jahres erwartet dort die Gäste eine Sonderausstellung, wie sie im Panzermuseum bislang nicht gezeigt wurde. »›Was damals Recht war…‹ – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht« widmet sich der nationalsozialistischen Militärjustiz. Sie gibt den Verurteilten, aber auch den Anklägern ein Gesicht und stellt anhand biografischer Fallgeschichten regionale Bezüge zum niedersächsischen Standort her. Die Ausstellung ist noch bis Ende November im Panzermuseum zu sehen, begleitet von öffentlichen Führungen, Fachvorträgen und einem Zeitzeugengespräch.

Eine historische Herangehensweise in dem überwiegend auf Technik ausgerichteten Museum ist Museumsleiter Ralf Raths wichtig. Unter seiner Ägide soll aus der einstigen Lehrsammlung ein Museum werden, das die Themen Militär und Kriegstechnik um (kultur)historische Blickwinkel erweitert. Ziel ist die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, insbesondere der deutschen Militärgeschichte.

Da Munster nicht nur Museums- sondern vor allem Bundeswehrstandort ist, wird die Wanderausstellung auch seitens der Bundeswehr begrüßt. Die Ausstellung trage dazu bei, so der Leiter der Lehrsammlung Oberstleutnant Klaus-Peter Lohmann, dem Offiziernachwuchs zu verdeutlichen, »wie wichtig und vor allem wie empfindlich das Pflänzchen der heutigen Rechtsstandards« sei.

Für die Stiftung Denkmal ist das Deutsche Panzermuseum ein besonders interessanter Standort, denn hier setzen sich die Besucher lebhaft und durchaus kontrovers mit den Ausstellungsthemen auseinander. So spiegelt sich die Vielzahl an unterschiedlichen Stimmen zur Ausstellung etwa auf der Facebook-Seite des Museums mit seinen rund 40.000 Nutzern wieder. Zahlreiche Sympathisanten des Hauses äußern sich hier, begleitet von wissenschaftlich fundierter Moderation, über den Stellenwert historischer Perspektiven im Panzermuseum.

Die Qualität eines persönlichen Gesprächs hat die Online-Diskussion jedoch nicht. So verharrten die Gäste eines Zeitzeugengesprächs mit Ludwig Baumann fast drei Stunden gebannt bei sommerlicher Hitze, um an den Lebensberichten des letzten noch lebenden Wehrmachtsdeserteurs teilzuhaben. Baumanns Biografie erschien kürzlich unter dem Titel »Niemals gegen das Gewissen: Plädoyer des letzten Wehrmachtsdeserteurs« im Herder-Verlag.

Institutionen der Bundeswehr oder der militärischen Traditionspflege gab es in den sieben Jahren, in denen die Ausstellung durch Deutschland und Österreich wandert, schon vier Mal – mit teils reger Diskussionsbeteiligung. Die Stiftung Denkmal freut sich auf eine weitere spannende und gut besuchte Präsentation in Munster und auf die folgenden Standorte 2015.

Bild: Zeitzeugengespräch mit Ludwig Baumann, der letzte noch lebende Wehrmachtsdeserteur, Foto: Deutsches Panzermuseum

Bild: Zeitzeugengespräch mit Ludwig Baumann, der letzte noch lebende Wehrmachtsdeserteur, Foto: Deutsches Panzermuseum