Werkstattberichte

19. Juni 2015

Übergabe einer Informationstafel zum Lager Hohenbruch

Am 10. Juni 2015 übergaben die Stiftung Denkmal, der Anthropos e. V. und die russische Gebietsverwaltung eine russisch-polnisch-deutsche Informationstafel über das Lager Hohenbruch in Lauknen (russisch: Gromowo) der Öffentlichkeit. 70 Jahre nach der Auflösung des Lagers, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und 70 Jahre, seit Ostpreußen nicht mehr zu Deutschland gehört, gedachten Russen, Polen und Deutsche gemeinsam der Opfer. Hohenbruch im Großen Moosbruch war – nach Soldau (polnisch: Działdowo) – von Ende August 1939 bis Mitte Januar 1945 das größte nationalsozialistische Lager auf dem Gebiet der Provinz Ostpreußen. Es steht neben der Verfolgung deutscher Regimegegner, Juden und Sinti insbesondere für den Terror gegen Polen, aber auch gegen Litauer und sowjetische Kriegsgefangene. Die Anzahl der Häftlinge, darunter auch Frauen, betrug 1944 zwischen 1.500 und 3.000. Viele kamen gewaltsam zu Tode.

Seit 2011 beschäftigte sich – auf Initiative der Stiftung Denkmal – ein deutsch-russisches Projekt mit polnischer Unterstützung mit diesem vergessenen Lager. Bei der feierlichen Zeremonie in Anwesenheit von etwa 80 Gästen – Bewohnern des Dorfes, Studenten und Interessierten aus Königsberg (russisch: Kaliningrad) – betonten die Generalkonsuln der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen, Dr. Dr. Rolf Friedrich Krause und Marcin Nosal, in bewegenden Worten die Notwendigkeit gemeinsamen Gedenkens an die Toten gerade in diesen Zeiten. Die Leiter der Verwaltungen aus Heinrichswalde (russisch: Slawsk) und Skaisgirren (russisch: Bolschakowo) drückten ihre Freude darüber hinaus, dass dieses Kapitel der Geschichte der Region nun dem Vergessen entrissen sei und dass junge Menschen aus den drei Ländern in diesem Projekt zusammengearbeitet hätten. Für die jüdische Gemeinschaft des Königsberger Gebiets sprach Viktor Schapiro, Uwe Neumärker führte durch die Veranstaltung. Im Anschluss wurden an der Tafel wie auch auf dem historischen Gelände Blumen niedergelegt.

Bild: Der deutsche Generalkonsul Dr. Dr. Krause bei seiner Ansprache, Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Die durch Dagmar von Wilcken gestaltete Informationstafel, Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Das verwilderte Lagergelände mit baulichen Spuren, Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Die freigelegte Treppenstufe einer Lagerbaracke, Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Jürgen Leiste von Anthropos e. V. erläutert die Lagertopographie, Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Die Redner vor der Informationstafel, Foto: Stiftung Denkmal