Veranstaltungsberichte

26. Januar 2018

Neu-Dachs, Blechhammer, Monowitz – Die vergessenen Außenlager

Am 25. Januar 2018 lud die Stiftung Denkmal gemeinsam mit der Botschaft der Republik Polen und dem Verein Tiergarten4Association zur Vortragsveranstaltung »Komplex Auschwitz – Die vergessenen Außenlager« in den Ort der Information unter dem Stelenfeld ein.

Adam Kerpel-Fronius, langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Denkmal und Projektleiter des Gedenkstättenportals begrüßte die Gäste. Er erläuterte die bisherigen gemeinsamen Stationen der Stiftung Denkmal und Cameron Munros. So ist unter anderem die Ausstellung »Das unbekannte Vernichtungslager Kulmhof am Ner«, die schon seit 2011 in mehreren Ausstellungshäusern in Deutschland zu sehen war, ein sehr erfolgreiches gemeinsames Projekt gewesen.
Herr Janusz Styczek, Stellvertretender Botschafter der Republik Polen sprach in Vertretung des Botschafters S. E. Andrzej Przyłębski über die Geschichte und die Vielfalt der polnischen Erinnerungsarbeit des Staatlichen Museum Auschwitz, die länderübergreifende Zusammenarbeit unter anderem mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und betonte die Notwendigkeit der Erinnerung an den Holocaust für die Zukunft.

Cameron Munro, 1. Vorsitzender der Tiergarten4Association e. V., hat  in seinem Vortrag historische Fotos der Außenlager von Auschwitz aus den 1960er Jahren seinen Aufnahmen von den Orten aus den Jahren 2005 bis 2008 gegenüberstellt. Sein Augenmerk lag dabei auf Lagern wie unter anderem Monowitz, Neu-Dachs, Blechhammer – ausgewählte Orte der vergessenen Außenlager von Auschwitz. Denn zum nationalsozialistischen Lagerkomplex Auschwitz gehörten neben den großen Lagern Auschwitz I, Auschwitz II (Birkenau) und Auschwitz III (Monowitz) insgesamt 43 Außenlager. Die meisten befanden sich in Schlesien, einige sogar auf tschechischem und slowakischem Boden. In Minen, Stahl- und Kraftwerken sowie in der Land- und Forstwirtschaft mussten Zehntausende Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Die meisten von ihnen waren Juden. Die Geschichte dieser Nebenlager ist bis heute weitgehend unerforscht, ihre Spuren sind aus dem öffentlichen Raum weitgehend verschwunden. Die Tiergarten4Association e. V. hat sich entschlossen, ihre Geschichte zu rekonstruieren, die vorhandenen Spuren zu dokumentieren, den Opfern einen Namen zu geben und die Ergebnisse im Internet zur Verfügung zu stellen. Dazu soll in Zusammenarbeit mit der Stiftung Denkmal ein Internetportal aufgebaut werden.

Zukünftig möchte der Verein Tiergarten4Association für die Fachöffentlichkeit ein Zentrum für Forschungen zu Nazi-Verbrechen auf Grundlage von originalen Dokumenten und Materialien anbieten. Der Verein besitzt in Lichterfelde ca. 18.000 Bücher und etwa eine Million Scans aus weltweiten Archiven zu den Hauptforschungsthemen: NS-»Euthanasie«-Verbrechen, Holocaust, Konzentrations- und Vernichtungslager. Die Sammlung soll im Sommer 2018 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Bild: Adam Kerpel-Fronius, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Denkmal und Projektleiter des Gedenkstättenportals

Bild: Janusz Styczek, stellvertretender Botschafter der Republik Polen in Deutschland

Bild: Cameron Munro, 1. Vorsitzender der Tiergarten4Association e. V