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03. August 2017

» … ohne Worte … keine Tränen.« – Erinnern an die Ermordung der letzten Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau 1944

Zum 73. Mal jährte sich am 2. August 2017 die »Liquidation des Zigeunerfamilienlagers« in Auschwitz-Birkenau. SS-Angehörige ermordeten in der Nacht auf den 3. August 1944 die fast 3.000 verbliebenen Sinti und Roma in Gaskammern – zumeist als arbeitsunfähig eingestufte Frauen, Kinder und ältere Menschen.

Die Stiftung Denkmal erinnerte zusammen mit RomaTrial, RomnoKher, der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, der Hildegard Lagrenne Stiftung und dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma sowie den etwa 150 Gästen an das Ereignis am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas im Simsonweg in Berlin.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde Santino Spinellis Gedicht »Auschwitz« von Medina Maksuti auf Romanes vorgetragen.

Nach dem musikalischen Auftakt von Santino Bamberger, Dragan Cordes, Lilo Franzen, Max Hartmann und Giovanni Steinbach, die den ganzen Abend musikalisch begleiteten, begrüßte der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth, indem er auf die historischen Ereignisse 1944 und die deutsche Verantwortung einging. Daran anschließend richtete die Bürgerrechtlerin und Autorin Anita Awosusi ihr Wort an die Gäste. Sie erinnerte an die eigenen Familienangehörigen, die während der NS-Verfolgung ermordet wurden und sprach sich für eine bessere Lebenssituation von Sinti und Roma in Deutschland und für ein verstärktes politisches Engagement für die Minderheit aus, beispielsweise im Bereich des Bleiberechts. Auch der Bundesminister a. D. Prof. Dr. Christian Schwarz-Schilling ging in seinem Redebeitrag auf die besondere Verantwortung des demokratischen Staates ein und stellte in Frage, dass alles Menschenmögliche für die Wiedergutmachung des NS-Verbrechens an den Roma und Sinti getan wurde. In diesem Kontext kritisierte er die Abschiebungen von in den 1990er Jahren aus dem Ex-Jugoslawien vertriebenen Roma und plädierte für eine Kontingentlösung.

Das Gedenken endete mit dem Gedicht »Auschwitz« von Santino Spinelli, diesmal auf Deutsch vorgetragen von der Vorsitzenden der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, Dalia Grinfeld.

Im Anschluss an die Veranstaltung wurden Blumen an den Brunnen gelegt und Kerzen angezündet.

»Auschwitz«

Eingefallenes Gesicht
erloschene Augen
kalte Lippen
Stille
ein zerrissenes Herz
ohne Atem
ohne Worte
keine Tränen.

Gedicht des italienischen
Rom Santino Spinelli

Bild: Die Gedenkveranstaltung am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas; Foto: Mike Schmidt, Stiftung Denkmal

Bild: Die Rezitatorin des Gedichts »Auschwitz« von Santino Spinelli; Foto: Mike Schmidt, Stiftung Denkmal

Bild: Michael Roth MdB, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt; Foto: Mike Schmidt, Stiftung Denkmal

Bild: Anita Awosusi, Autorin und Bürgerrechtlerin; Foto: Mike Schmidt, Stiftung Denkmal

Bild: Prof. Dr. Christian Schwarz-Schilling, Bundesminister a. D.; Foto: Mike Schmidt, Stiftung Denkmal

Bild: Die Gäste legen Blumen am Brunnen nieder; Foto: Mike Schmidt, Stiftung Denkmal

Bild: Am Rande des Brunnes werden Kerzen angezündet; Foto: Mike Schmidt, Stiftung Denkmal