26. März 2018

Trauer um Holocaustüberlebenden Frank Meisler

Der für seine ›Kindertransport‹-Denkmäler bekannte Bildhauer Frank Meisler ist am Samstag, den 24. März 2018, im Alter von 92 Jahren verstorben.

Frank Meisler, geboren 1925, entstammte einer Danziger deutsch-jüdischen bürgerlichen Familie. In seiner Jugend erlebte er den Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung in seiner Heimatstadt. Ende August 1939 – kurz vor Kriegsbeginn – gelang ihm mit dem letzten ›Kindertransport‹ die Flucht über Berlin nach London. Seine Eltern wurden ins Warschauer Ghetto verschleppt und in Auschwitz ermordet. Nach Kriegsende studierte Frank Meisler in Manchester Architektur und siedelte 1956 nach Israel über, wo er in der Altstadt von Jaffa eine Werkstatt für Bildhauerei betrieb. Zu seinen bekanntesten Werken gehören ›Kindertransport‹-Denkmäler in Berlin, Danzig und London.

2016 hatte die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas als 14. Band in ihrer Zeitzeugenreihe die Lebenserinnerungen Frank Meislers auf Deutsch unter dem Titel »An der Weichsel gegen Osten. Mein Leben zwischen Danzig, London und Jaffa« herausgeben und das Buch im Rahmen einer Lesung veröffentlicht.

In seinen Memoiren sagte Frank Meisler über seine eigene Abreise 1939 mit einem ›Kindertransport‹: »Der Bus fuhr los – und wir ließen Danzig hinter uns. Waren wir uns der Endgültigkeit dieses Moments bewusst? Aus unserer Gruppe von 16 Kindern weinten einige; alle waren traurig. […] Trotz unserer Traurigkeit wurden wir das Gefühl nicht los, es handele sich nur um einen Ferienausflug. Ausflüge enden irgendwann, dieser aber nicht. In einem gewissen Sinne sind wir alle noch immer auf der Reise.«

2012 wurde Frank Meisler mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Als Begründung hieß es, Meisler habe mit seinem künstlerischen Werk in herausragender Weise dazu beigetragen, dass die Kindertransporte, mit denen in den Jahren 1938 und 1939 etwa 10.000 Kinder nach Großbritannien entkommen konnten, als wichtiger und mitunter vernachlässigter Aspekt des Holocaust nicht in Vergessenheit gerieten. So erinnert auch das Denkmal am S-Bahnhof Friedrichstraße »Züge ins Leben – Züge in den Tod: 1938–1939« an die österreichischen, deutschen, tschechischen, slowakischen, polnischen und Danziger jüdischen Mädchen und Jungen, die nach der Pogromnacht im November 1938 bis zum 31. August 1939, dem Tag vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, emigrieren konnten und so vor dem sicheren Tod gerettet wurden.

Die Stiftung Denkmal ist in Gedanken bei seiner Familie, seiner Lebensgefährtin, den Kindern und Enkelkindern.



*Entgegen allen Angaben im Internet wurde Frank Meisler 1925 und nicht 1929 geboren. Diese Information ist bestätigt durch die Mitherausgeberin des Zeitzeugenberichts und Freundin Frank Meislers Miłosława Borzyszkowska-Szewczyk (Kaschubisches Institut in Danzig).




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Stiftung Denkmal für die
ermordeten Juden Europas
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Bild: Frank Meisler 1943 in London in der Kadettenuniform der Polnischen Armee, Foto: Frank Meisler

Bild: Frank Meisler 1989 in Danzig, der erste Besuch seiner Heimatstadt nach 50 Jahren, im Hintergrund: das Krantor, Foto: Frank Meisler

Bild: Frank Meisler 2008 in Berlin zusammen mit seiner Familie am Kindertransport-Denkmal vor dem Bahnhof Friedrichstraße; Frank Meisler zur Rechten: Tochter Marit, Enkelin Shani, Tochter Michal und ihr Mann Nissim sowie seine Lebensgefährtin Lucie Feighan; zur Linken: die Enkel Tomer und Adi