Dani Karavan

Bild: Dani Karavan am Denkmalgelände anlässlich der Bauschildweihe

Dani Karavan über das Denkmal

Eine Lichtung im Tiergarten, gesäumt von Bäumen und Büschen, nahe dem Reichstagsgebäude. Ein kleiner, unscheinbarer Platz, der sich dem Lärm der Großstadt entzieht. Ein Ort innerer Anteilnahme, ein Ort, den Schmerz zu fühlen, sich zu erinnern und die Vernichtung der Sinti und Roma durch das nationalsozialistische Regime niemals in Vergessenheit geraten zu lassen. Ist ein solcher Ort überhaupt möglich? Ist das Mögliche vielleicht die Leere, das Nichts? Habe ich in mir die Kraft, einen Ort des Nichts zu erschaffen? An dem es nichts gibt. Keine Worte, keine Namen, kein Metall, keinen Stein. Nur Tränen, nur Wasser, umringt von den Überlebenden, von jenen, die sich des Geschehenen erinnern, von denen, die das Grauen kennen, und anderen, die es nicht kannten. Sie alle spiegeln sich hier, auf dem Kopf stehend, im Wasser der tiefen, schwarzen Grube, während der Himmel sie bedeckt – das Wasser, die Tränen. Nur ein einzelner kleiner Stein, der versinkt und emporsteigt, wieder und wieder, Tag für Tag. Und auf ihm jeden Tag eine neue kleine Blüte, um sich jedes Mal aufs Neue zu erinnern, in Erinnerung zu rufen, unentwegt, bis in alle Ewigkeit. Das Wasser umfängt den Himmel, den blauen, den grauen, den schwarzen Himmel. Die Wolken, das Licht, das Dunkel. Alles wird verschlungen vom wirbelnden Wasser. Allein der Klang einer einsamen Geige ist geblieben von der gemordeten Melodie, schwebend im Schmerz.

 

Biografie Dani Karavan 

Dani Karavan wurde am 7. Dezember 1930 in Tel Aviv als Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer geboren. Im Alter von zwölf Jahren wendet er sich dem Malen zu und erhält 1943 ersten Zeichenunterricht im Atelier von Aharon Avni. Er studiert an der Bezalel School of Art and Design in Jerusalem, an der Accademia di Belle Arti in Florenz und an der Académie de la Grande Chaumière in Paris.

Viele seiner Arbeiten sind der Erinnerung an die Schrecken des Holocaust gewidmet. Er selbst verliert auch einen Teil seiner Familie während der NS-Terrorherrschaft. 1993 stellt er in Nürnberg den Way of Human Rights am Germanischen Nationalmuseum fertig. Im Auftrag des französischen Staates realisiert er 1994 das Camp de Gurs, ein Mémorial national, das sich gegen das Vergessen authentischer Orte richtet.

Seine Arbeiten sind oft mit Naturmaterialen wie Wasser, Sand und sogar Wind gestaltet. Sie fordern den Besucher auf, nicht nur zu beobachten, sondern sich zu bewegen und sich jedes einzelnen Elementes zu besinnen.