Dagmar von Wilcken – Die Gestalterin der Ausstellung im Ort der Information

Bild: Auftakt

Das Gestaltungskonzept für den Ort der Information

Bei der Gestaltung der Ausstellungsräume beabsichtigte Dagmar von Wilcken, das inhaltliche Konzept in architektonische Vorgaben einzubinden, um so eine ästhetische Einheit beider Elemente zu erreichen.

Im Ort der Information finden die Stelen des Denkmals eine formale Fortsetzung, verlassen hier jedoch ihre abstrakte Ebene und dienen als Informationsträger. Das Raster und die Formensprache des Stelenfeldes werden zitiert, indem ihre ursprüngliche Erscheinung in abgewandelter Form aufgegriffen und variiert wird. In jedem der vier Ausstellungsräume sieht diese Metamorphose anders aus. So wird verdeutlicht, dass sich die Besucher an einem unverwechselbaren Ort befinden, nämlich unterhalb des Denkmals für die ermordeten Juden Europas. Durch die Funktionswandlung der Stele zum Informationsträger entsteht ein formales Bindeglied zwischen dem Stelenfeld und dem Ort der Information, eine Überleitung von der abstrakten Ebene zur Ebene der konkreten Inhalte.

Im ersten Ausstellungsraum werden Zitate aus Selbstzeugnissen der Opfer und die Darstellung der europäischen Dimension des Holocaust gezeigt. Die Zitate sind auf Glasplatten lesbar, die im Boden eingelassen sind und von unten beleuchtet werden. Jede dieser Glasplatten »spiegelt« in Größe und Plazierung eine oberirdische Stele im Boden wider – als virtuelle Fortsetzung des oberirdischen Stelenfeldes.

Im zweiten Raum »durchdringen« die Stelen des Feldes den Ort der Information von oben. Auf ihnen werden 15 Lebensgeschichten – stellvertretend für das Schicksal vieler jüdisch-europäischer Familien – gezeigt. Die Stelen, die scheinbar durch die Decke in den Ort der Information bis auf eine Höhe von 0,70 m hineinragen, werden ihrerseits wieder von diesen individuellen Lebensgeschichten durchdrungen. Die Hinterleuchtung der Exponate erhellt den Raum. Zusätzlich wirft jede hängende Stele Licht in ihrer Grundrissform auf den Boden und reflektiert es indirekt in den Raum.

Der dritte Raum, der Raum der Namen, ist bis auf drei Sitzbänke leer. Hier wird im Gegensatz zu den anderen drei Themenräumen das Raster des Stelenfeldes nur durch das Format und die Platzierung von Sitzbänken zitiert.

Im letzten der vier Themenräume, im Raum der Orte, dringen die Stelen aus den Wänden heraus auf den Ausstellungsbesucher zu. Im Zentrum steht die geografische Dimension des Holocaust. Die Breitseiten der Kuben dienen als Projektionsflächen für historisches Film- und Fotomaterial.

Kurzbiografie von Dagmar von Wilcken

Dagmar von Wilcken, geboren 1958, Studium des Objektdesigns und der Visuellen Kommunikation, 1987 Diplom an der Hochschule der Künste in Berlin, freiberuflich tätig als Ausstellungsgestalterin, zahlreiche Ausstellungen für das Bauhaus-Archiv Berlin, 1995 bis 2004 Gestaltung der Dauerausstellung »Spuren des Unrechts« für das Dokumentations- und Informationszentrum DIZ Torgau, zahlreiche Aufträge durch die Stiftung »Neue Synagoge – Centrum Judaicum Berlin«, darunter die Ausstellung »Juden in Berlin – 1938 bis 1945«, 2001 bis 2005 gestalterisches Gesamtkonzept für die Ausstellung im »Ort der Information« des Denkmals für die ermordeten Juden Europas sowie für die Sonderausstellungen »Was damals Recht war ... – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht«, »Es brennt! Antijüdischer Terror im November 1938« und »Kulmhof – Das unbekannte Vernichtungslager am Ner«.