Am 12. Juni 2026 fand im Ort der Information am Denkmal für die ermordeten Juden Europas die Podiumsdiskussion »Vergessene Opfer. Zwischen Marginalisierung und Anerkennung: Deutschlands unvollendete Aufarbeitung der NS-Vergangenheit« statt.
Die Veranstaltung wurde in Kooperation zwischen dem Deutsch-Polnischen Haus und dem Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin im Rahmen des 28. Workshops zur Geschichte und Erinnerung an die nationalsozialistischen Lager und Vernichtungsorte organisiert.
Ausgangspunkt der Diskussion war das 2025 erschienene Buch »Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes« von Stefanie Schüler-Springorum. Darin richtet die Historikerin den Blick auf jene Opfergruppen, die auch nach 1945 weiterhin Ausgrenzung erfuhren und oft erst spät gesellschaftliche Anerkennung fanden.
Nach einer Einführung durch die Autorin diskutierten Oliver Gaida (Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas), Andreas Hechler und Bozhena Kozakevych (Deutsch-Polnisches Haus) über die unterschiedlichen Wege, auf denen verdrängte oder marginalisierte Erfahrungen heute sichtbar gemacht werden können.
Oliver Gaida sprach über die Geschichte und die späte Anerkennung der als »Asoziale« und »Berufsverbrecher« verfolgten Menschen. Andreas Hechler thematisierte die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Verbrechen und verwies auf deren lange gesellschaftliche Unsichtbarkeit. Bozhena Kozakevych brachte Perspektiven aus der deutsch-polnischen und osteuropäischen Erinnerungsgeschichte ein und diskutierte die Herausforderungen, unterschiedliche Opfererfahrungen in ein gemeinsames Erinnern einzubeziehen, ohne sie gegeneinander auszuspielen.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Frage, wie die Geschichten von Überlebenden und Verfolgten die etablierte Erzählung der Bundesrepublik als demokratische Erfolgsgeschichte ergänzen und zugleich kritisch hinterfragen. Die Podiumsteilnehmenden betonten, dass die Auseinandersetzung mit bislang wenig beachteten Erfahrungen nicht nur historische Relevanz besitzt, sondern auch für aktuelle Debatten über Diskriminierung, Ausgrenzung und gesellschaftliche Teilhabe von Bedeutung ist.
Die anschließende Diskussion mit dem Publikum machte deutlich, dass Fragen nach Sichtbarkeit, Anerkennung und den Grenzen des Erinnerns weiterhin zu den zentralen Herausforderungen der deutschen Erinnerungskultur gehören.







