»Ich will zum Schluss sagen, was für mich das Schönste ist, auch wenn der Krieg das Schrecklichste ist, was den Menschen passieren kann. […] Wir waren entsetzt, dass Warschau so aussah, dass der Aufstand gescheitert war. Und dann stand die Zivilbevölkerung […] entlang der Jerozolimskie-Allee. […] Während wir mit gebrochenem Herzen gingen und uns nicht trauten, den Kopf zu heben und diese Menschen anzusehen, weinten sie und riefen: Da kommen unsere Kinder.«
So beschrieb Wanda Traczyk-Stawska ihre Eindrücke nach der Niederschlagung des 63-tägigen Warschauer Aufstandes am 2. Oktober 1944, der umfangreichsten Erhebung gegen die deutschen Besatzungsherrschaft in Europa während des Zweiten Weltkrieges.
Sie wurde am 7. April 1927 in der polnischen Hauptstadt geboren. Sie war Pfadfinderin und nahm als Schützin und Verbindungsoffizierin der Heimatarmee (Armia Krajowa) am Aufstand teil, der am 1. August 1944 begann. Sie wurde für ihren tapferen Kampf ausgezeichnet. Nach einer schweren Verwundung und der Niederschlagung des Aufstandes wurde sie gefangen genommen, Warschau zu großen Teilen von SS und Wehrmacht gesprengt. Wanda Traczyk-Stawska durchlief mehrere deutsche StaLag. Nach ihrer Befreiung am 12. April 1945 ging sie nach Palästina, kehrte 1947 in ihre zerstörte Heimatstadt zurück und studierte Psychologie. 1951 heiratete sie einen Häftling eines Konzentrationslagers in Norwegen. Sie hatte einen Sohn und eine Tochter, beide Musiker. Sie hatte vier Enkelkinder und einen Urenkel. Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft in Polen 1989 engagierte sie sich über Jahrzehnte für den Erhalt und die Ausgestaltung der Gedenkstätte auf dem 1945 eingeweihten Friedhof der Warschauer Aufständischen im Stadtteil Wola. Ihr Herzenswunsch war es, all ihren 1944 gefallenen Kameradinnen und Kamerden ein Grab mit Namen zu verschaffen. Für ihr Wirken erhielt sie in den 2000er Jahren zahlreiche Orden.
Wanda Traczyk-Stawska, diese bemerkenswerte kleine Frau mit unbändiger Energie, einnehmendem Charme und riesiger Willenskraft, verstarb am 18. August im Alter von 99 Jahren.










