Im Herbst 1939 wurde das besetzte Polen Schauplatz einer beispiellosen Welle gewaltsamer Verbrechen. Insbesondere in Pommerellen erreichte der deutsche Terror ein Ausmaß, das im gesamten besetzten Polen seinesgleichen suchte. Die Abendveranstaltung am 01. September 2026 im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors widmete sich in zwei Vorträgen von Dr. hab. Tomasz Ceran (Pilecki-Institut Warschau) und Dr. Magdalena Sacha (Piasnitz-Museum Wejherowo/Abteilung des Museums Stutthof) sowohl den historischen Ursachen und Hintergründen dieser Taten als auch den komplexen Herausforderungen der regionalen Erinnerungskultur.
Der Historiker Tomasz Ceran legte in seinem Vortrag die Grundlagen und Hintergründe des Geschehens dar und versuchte, diese zu systematisieren. Er schlägt den neuen Oberbegriff »Zbrodnia Pomorska« (»Pommerellisches Verbrechen«) vor, um die Ereignisse gegenüber anderen Verbrechenskomplexen präzise abzugrenzen. Der neue Terminus ist breiter gefasst als die bisher geläufigen. So greifen die Bezeichnung »Intelligenzaktion« Ceran zufolge zu kurz, da sie wesentliche Opfergruppen – wie Landwirte, Arbeiter, jüdische Bürger, Kinder und Jugendliche sowie Patientinnen und Patienten psychiatrischer Anstalten und Menschen, die aus Deutschland deportiert wurden– außer Acht lassen.
Die Kulturwissenschaftlerin Magdalena Sacha widmete sich der Entwicklung und den Problemen der Erinnerungskultur nach 1945: Sie zeigte auf, dass das gesamtpolnische Gedenken Jahrzehnte lang stark auf Warschau fokussiert war (symbolisiert etwa durch den Hinrichtungsort Palmiry nahe Warschau). Die Geschehnisse in Pommerellen wurden in nationalen Lehrplänen erst 2024 verankert. Lokal wurden die Gedenkstätten (wie Piaśnica) jedoch schon direkt nach dem Krieg vor allem durch das Engagement der örtlichen Bevölkerung gepflegt.
Im Anschluss gab es eine Diskussion beider Referenten sowie Fragen aus dem Publikum. Bei einem anschließenden kleinen Empfang konnten die Diskussionen fortgesetzt werden.
Ein Beitrag von der
Stabsstelle Deutsch-Polnisches Haus
Fotos: © Jürgen Kramer, Topographie des Terrors










