Hans-Erhard Haverkampf war mein Vorgänger. Er schied 2005 aus dem Amt. Ich hatte seitdem nichts mehr von ihm gehört. Er suchte Abstand von Berlin und seinen Bauten. Die Nachricht seines Todes am 30. Juni erreichte mich erst vor Kurzem und über Umwege. Sie hat mich berührt – und Erinnerungen wachgerufen.
Dr. Hans-Erhard Haverkampf, geboren 1940 im thüringischen Mühlhausen, wurde im Februar 2004 Geschäftsführer der Stiftung. Die einstimmige Wahl des Kuratoriums unter Vorsitz des Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse fiel auf ihn aufgrund seiner besonderen Erfahrungen bei der Projektleitung des Neubaus des Bundeskanzleramts in Berlin (1997–2001) sowie bei der Gesamtprojektleitung des Neubaus des Paul-Löbe- und des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses für den Deutschen Bundestag (2002–2003). Thierse und Haverkampf – beide Herren mit Bart und Brille – verstanden sich prächtig. Das half auch. Haverkampf war ein Mann vom Fach: beherzt, konsequent und effektiv, aber stets mit einem erfrischenden Lachen und, wenn es die Situation erforderte, resoluten Ansagen. Nach der Degussa-Debatte um den Graffitischutz der Betonstelen des im Bau befindlichen Holocaust-Mahnmals im Herbst 2003 war das Vorhaben ins Stocken geraten, aber der Eröffnungstermin im Mai 2005 stand fest und sollte gehalten werden. Die Fertigstellung des Denkmals und die Umsetzung der Inhalte des Orts der Information – im Kostenrahmen – stellten für Haverkampf »die zurzeit anspruchsvollste Bauaufgabe in Berlin« dar. Er hat sie mit Bravour gemeistert. Es gibt viele Momente, die mir durch den Kopf gehen, vor allem aber jener, als mein damaliger Chef auf einer Pressekonferenz im Vorfeld des Einweihungsfestakts am 10. Mai 2005 mich als seinen Nachfolger verkündete, obwohl ich noch überhaupt nicht gewählt war. Aber so war er: Zurückhaltung war keine seiner Eigenschaften. Die große Übergabe an die Öffentlichkeit mit 1.700 Gästen aus aller Welt, darunter viele Überlebende, und allen Spitzen der deutschen Politik sowie Liveberichterstattung in der ARD war ein Höhepunkt in Haverkampfs Leben und in der deutschen Erinnerungskultur. Nur sechs Wochen später verließ er die Stiftung, rekonstruierte noch einen Bauernhof bei Wismar und pflanzte Kartoffeln an, um 2010 in seine Heimatstadt Frankfurt am Main zurückzukehren und sich seiner schriftstellerischen Leidenschaft zu widmen.
Hans-Erhard Haverkampf war ein Verfechter des respektvollen Siezens. Lieber Herr Vorgänger, die Stiftung und insbesondere ich werden Sie nicht vergessen. Sie haben Großes geleistet! Wir danken Ihnen!
Uwe Neumärker







