Am Abend des 15. Januars luden die Stiftungen Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum und Denkmal für die ermordeten Juden Europas anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus zu einer Lesung aus dem Zeitzeugenbericht der Holocaustüberlebenden und engagierten Sozialdemokratin und Bundestagsabgeordneten Jeanette Wolff in den Repräsentantensaal ein.
Dr. Anja Siegemund, Direktorin der Stiftung Neue Synagoge Berlin, und Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal, begrüßten das Publikum. Anschließend las die Schauspielerin Nina Kunzendorf sehr bewegend aus dem, bereits 1945, direkt nach ihrer Befreiung verfassten, Bericht Jeanette Wolffs.
Daran schloss sich ein von Shelly Kupferberg, Autorin und Journalistin, moderiertes Gespräch zwischen Dr. Andreas Nachama, Historiker und ehemaliger Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, und Natalie Weis, Historikerin, Deutscher Bundestag, über Jeanette Wolff, als private Person, als Politikerin und über ihr Wirken sowie ihr Engagement als Berliner Jüdin. So war Jeanette Wolff unter anderem am Aufbau des Zentralrats der Juden in Deutschland beteiligt und hat auch sonst bei vielen Menschen ihre Spuren hinterlassen.
Andreas Nachama schloss das Gespräch am Ende mit einem Zitat von Jeanette Wolff, aus ihrer Zeit beim Jüdischen Frauenbund: »Fragt nicht, was soll ich tun? Sondern kommt, und arbeitet mit!«
Biografischer Hintergrund: Jeanette Wolff (1888 – 1976) gehört zu den großen, mutigen Frauenpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Als Jüdin und SPD-Politikerin wird sie bereits im März 1933 von der SA für zwei Jahre inhaftiert. Im Januar 1942 verschleppt die SS sie nach Riga und im Sommer 1944 in das KZ Stutthof. Nach einem Todesmarsch wird sie am 26. Januar 1945 von der Roten Armee befreit. 1946 verfasst sie ihren Erlebnisbericht Sadismus oder Wahnsinn in Berlin. Im ersten Deutschen Bundestag ist sie die einzige weibliche Holocaust-Überlebende, eine mahnende Stimme bis zuletzt.
Mehr zu Jeanette Wolff findet sich im 2025 bei der Stiftung Denkmal erschienenen Zeitzeugenbericht.

















