Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
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»ICH HABE MICH NICHT GETRAUT ZU FRAGEN.« Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil

  • 06. Oktober 2026
  • Aktuelles, Veranstaltungsbericht

Am 6. Oktober luden die Stiftung Denkmal, die Hildegard Lagrenne Stiftung, die Gedenkstätte Zwangslager Berlin-Marzahn und RomaTrial e.V. zu einem Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil in den Ort der Information ein.  

Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, begrüßte die Gäste. Anschließend sprachen der Zeitzeuge Christian Pfeil und sein Neffe, Sacha Höhn, mit Jana Mechelhoff-Herezi, Leitung Erinnerung an Sinti und Roma, miteinander.

Die Familie Pfeil stammt aus Trier. 1940 verschleppten die Nationalsozialisten sie aus ihrer Heimatstadt in das besetzte Polen. »Ich war damals noch nicht geboren. Man weiß nicht so genau, wann ich, im Ghetto in Lublin, geboren wurde – heute denken wir, am 14. Januar 1944 – früher hat mich das immer geärgert, weil ich nicht genau wusste, wann ich Geburtstag habe.«

Die Eltern und Geschwister mussten in Konzentrationslagern Zwangsarbeit leisten. »Meine Mutter hat mich da wohl in ein Tuch neben sich gelegt, während sie Zwangsarbeit leisten musste. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen, dass man als Kind diese Zeit überlebt hat. Heute würde ein Kind dort keinen Tag überleben. Das wäre sofort tot.«

6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information, Uwe Neumärker begrüßt die Gäste. © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information, Uwe Neumärker begrüßt die Gäste. © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information; Christian Pfeil und Sacha Höhn im Gespräch mit Jana Mechelhoff-Herezi © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information; Christian Pfeil und Sacha Höhn im Gespräch mit Jana Mechelhoff-Herezi © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information; Christian Pfeil und Sacha Höhn im Gespräch mit Jana Mechelhoff-Herezi © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information; Christian Pfeil und Sacha Höhn im Gespräch mit Jana Mechelhoff-Herezi © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information; Christian Pfeil und Sacha Höhn im Gespräch mit Jana Mechelhoff-Herezi © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information; Christian Pfeil und Sacha Höhn im Gespräch mit Jana Mechelhoff-Herezi © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information; Christian Pfeil und Sacha Höhn im Gespräch mit Jana Mechelhoff-Herezi © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information; Christian Pfeil und Sacha Höhn im Gespräch mit Jana Mechelhoff-Herezi © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information; Christian Pfeil und Sacha Höhn im Gespräch mit Jana Mechelhoff-Herezi © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information; Christian Pfeil und Sacha Höhn im Gespräch mit Jana Mechelhoff-Herezi © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske

Nach ihrer Befreiung 1945 kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Doch auch in seiner späteren Kindheit erlebte Christian Pfeil Ausgrenzung und Anfeindungen. »Christian, unsere Sprache ist deutsch, das ist unsere Heimat«, antwortet sein Vater auf die Frage des Sohnes, warum die Familie nach dem Krieg unbedingt zurück nach Deutschland gehen musste, wo sie doch dort keiner haben wollte. »Mit sechs, sieben Jahren habe ich schon realisiert, dass wir anders sind …« Er berichtete von der Zeit in Trier, von der fortdauernden Diskriminierung seiner Familie, die von den Nachbarn ausgrenzt wurde (»die wollten, dass wir unser Haus aufgeben und den Stadtteil verlassen, die wollten einfach keine Sinti da haben …«).

Mit 26 Jahren eröffnete er in Trier ein Lokal, trat erfolgreich als Musiker auf, erlangte lokale Berühmtheit. In den 1990er Jahren bedrohten ihn Rechtsextreme aufgrund seines antifaschistischen Engagements, und zerstörten sein Lokal. Als er sich beim damaligen Bürgermeister darüber beschweren und das Ganze zur Anzeige bringen wollte, antwortete der: »Aber Herr Pfeil, wir haben doch überhaupt keine Rechtsradikalen in Trier …« An dieser Stelle schüttelt Christian Pfeil gedankenverloren den Kopf. »Was will man mit so einem Menschen noch diskutieren?! … Das war alles eine schlimme Zeit, … aber ich hab’s überlebt.«

2015 begann er, die Geschichte seiner Familie aufzuarbeiten und öffentlich zu sprechen, unter anderem vor dem Europäischen Parlament und den Vereinten Nationen. »Und heute bin ich Zeitzeuge! Ich spreche gern mit Menschen über diese Zeit. Vor allem mit jungen Menschen. Jugend ist für mich unheimlich wichtig … dass sie aufgeklärt wird. Viele wissen gar nicht, dass auch 500.000 Sinti und Roma im Nationalsozialismus ermordet worden. Ja … man muss da viel mehr aufklären!«

6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
7. Oktober 2026, Zeitzeugengbegegnung mit Schülerinnen und Schülern mit Christian Pfeil im Ort der Information © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
7. Oktober 2026, Zeitzeugengbegegnung mit Schülerinnen und Schülern mit Christian Pfeil im Ort der Information © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske
6. Oktober 2026, Zeitzeugengespräch mit Christian Pfeil im Ort der Information © Stiftung Denkmal, Foto Marko Priske

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Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas ist eine bundesunmittelbare Stiftung, die das Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit dem Ort der Information und das  Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma, den Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde sowie das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas betreut.

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