Im März 2026 werden im Berliner Tiergarten in der Nähe des Goldfischteichs die Arbeiten zur Errichtung des Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas beginnen.
Der Bau geht auf den Beschluss des Bundestages vom 22. Juni 2023 zurück. Finanziert wird das Vorhaben vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Umsetzung übernimmt die Stiftung Denkmal. Der Künstler Matthias Leeck hat die schlichte Bronzeskulptur für den Gedenkort entworfen. Sie wird aufgrund ihres Gewichtes in Einzelteilen zum zukünftigen Erinnerungsort transportiert und am Ort montiert. Der Gedenkort wird sich zusammen mit einer Informationstafel, einer Zuwegung sowie verschiedenen Anpflanzungen, gemäß den Vorgaben des Landesdenkmalamtes, in das Gartenlandschaftsdenkmal Großer Tiergarten einfügen. Für alle Genehmigungen und baulichen Maßnahmen wurde die Firma BHBVT Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin, beauftragt. Die Betreuung des Mahnmals wird durch die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas erfolgen.
Einweihung des Mahnmals
Die Übergabe des Gedenkortes an die Öffentlichkeit findet am 24. Juni 2026 statt. Zum einstündigen Festakt werden unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, sowie die Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson erwartet.
Kurzdokumentation »Bibelforscher – unglaublicher Mut«
Die Ständige Konferenz der NS-Gedenkorte im Berliner Raum nahm den Beschluss des Deutschen Bundestags am 22. Juni 2023 zum Anlass, eine kurze filmische Information über die Religionsgemeinschaft zu konzipieren. Der Kurzfilm »Bibelforscher – unglaublicher Mut« wurde im Januar 2026 fertiggestellt und ist nun hier einsehbar. Er informiert über die nationalsozialistische Verfolgung, den mutigen Widerstand vieler Zeugen Jehovas gegen das NS-Regime und die fortdauernde Repression in der DDR nach 1945.
Biographische Ergänzung – Schulprojekte und Jugendgedenkinitiativen erstellen bis zur Einweihung des Mahnmals eine interaktive Karte mit Orten des Widerstands und der Verfolgung von Zeugen Jehovas
Unter dem Stichwort »Gedächtnis der Namenlosen« erstellen Jugendliche, angeleitet von Lehrkräften und in der Jugendarbeit Engagierten, eine stetig wachsende Datenbank mit Biographien Zeugen Jehovas. Diese Daten bilden die Grundlage für eine interaktive Karte zu den Orten des Widerstandes und der Verfolgung. Historische Dokumente und Fotos sowie Videoclips, die während der Arbeit der Jugendlichen entstehen, werden die biographischen Informationen auf der interaktiven Karte ergänzen. Über den gesamten Projektverlauf begeben sich die Jugendlichen mit ihren Rechercheergebnissen immer wieder in aktive Austauschformate. Das Projekt wird von der Stiftung EVZ und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Rahmen des Programms JUGEND erinnert vor Ort & engagiert gefördert.
Kommende Termine:
18. Juni 2026, 11 Uhr, Pressekonferenz im Ort der Information des Holocaust-Denkmals, Cora-Berliner-Straße 1, 10117 Berlin
23. Juni 2026, 15 Uhr, Empfang der Arnold-Liebster-Stiftung, Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin
24. Juni 2026, 11 Uhr, Einweihung des Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas, Großer Tiergarten in der Nähe des Goldfischteichs, 10117 Berlin
Hintergrund:
Die christliche Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas, die sich auch Ernste Bibelforscher nannte, wurde seit 1933 in Deutschland und ab 1938 auch im nationalsozialistisch beherrschten Europa systematisch verfolgt. Fast 14.000 Zeugen Jehovas – Frauen und Männer – wurden inhaftiert, darunter 4.200 in Konzentrationslagern, wo sie mit einem »lila Winkel« stigmatisiert wurden. Mindestens 1.700 weibliche und männliche Zeugen verloren durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft ihr Leben.
Am Goldfischteich (in dessen unmittelbarer Nähe das Mahnmal errichtet wird) führte die Gestapo am 22. August 1936 eine Verhaftungsaktion durch. Im Zuge einer regelrechten Welle wurden 1936 führende Zeugen Jehovas in ganz Deutschland inhaftiert. Mindestens 17 von ihnen kamen ums Leben.
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Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
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