Die Website »Verfolgung von Jugendlichen im NS« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas ist um eine weitere Biografie gewachsen: Ab sofort ist die Lebensgeschichte von Shlomo Bobbe online abrufbar. Damit versammelt die Plattform inzwischen 53 Lebensgeschichten junger Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Shlomo Bobbes Erinnerungen wurden von Matthias Krones an die Stiftung Denkmal herangetragen. Matthias Krones reist regelmäßig nach Israel, um sich mit Überlebenden des Holocaust zu treffen und setzt sich dafür ein, dass ihre Geschichten erzählt und bewahrt werden.

Shlomo, eigentlich Selmon, Bobbe wurde 1937 im niederländischen Eindhoven als Sohn eines Geigers und einer Klavierlehrerin geboren. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande geriet die jüdische Familie zunehmend in Gefahr. 1942 gaben die Eltern den Fünfjährigen in die Obhut von Johannes und Elisabeth Groen in Busseum, die ihn bei sich versteckten und so vor dem nationalsozialistischen Regime schützten.

Unter dem Namen »Broer« wuchs er dort auf, verbarg sich bei Hausdurchsuchungen unter dem Dach und vergaß mit der Zeit seine Herkunft. Seine leibliche Mutter überlebte drei Jahre im Konzentrationslager Auschwitz, kam jedoch 1945 während eines Todesmarschs ums Leben. Als sein Vater ihn 1945 wiederfand, erkannte Shlomo ihn nicht. 1956 reiste er nach Israel, diente als Fallschirmjäger und gründete mit seiner Frau Zipora eine Familie, zu der heute drei Kinder, sieben Enkel und zwei Urenkel gehören. Seinen Rettern verhalf er zur Anerkennung als »Gerechte unter den Völkern« durch Yad Vashem.
Ein Teil seiner Biografie widmet sich der Freundschaft mit Henoch und Esther Ackermann. Das Ehepaar lebte zehn Jahre in Israel und baute ab 2014 in Hadera einen Hilfsdienst auf, der vor allem Wohnungen von Überlebenden des Holocaust renoviert. Shlomo gehörte zu ihren ersten Kontakten: Er vermittelte weitere Überlebende, begleitete zahlreiche Projekte und unterstützte die Freiwilligen mit seiner Erfahrung. Sein Haus wurde zu einem Ort der Begegnung, an dem viele Freiwillige aus Deutschland kamen und seine Lebensgeschichte hörten. Aus diesen Begegnungen ist eine enge Freundschaft gewachsen – und ein Stück gelebter Erinnerungskultur, das mit dem neuen Beitrag nun auch online auf Deutsch nachzulesen ist.

Wir senden herzliche Grüße an Shlomo und Zippi nach Israel. Wir danken Henoch und Esther Ackermann sowie Matthias Krones für Ihre Kontaktaufnahme mit der Stiftung.







