Werkstattberichte

21. August 2013

Interview mit Zwi Harry Likwornik

Die Lebensgeschichte eines Czernowitzers, der das Ghetto Berschad in Transnistrien überlebt hat

Zwi Harry Likwornik, 1934 im rumänischen Czernowitz geboren, war sieben Jahre alt, als er mit seiner Familie in das Ghetto Berschad kam. Er musste miterleben, wie sein vom Hunger und der Kälte völlig ausgezehrter Vater neben ihm an Entkräftung starb. Dieser Verlust begleitete ihn sein gesamtes Leben.

 
Das jüdisch geprägte Czernowitz, die Geburtsstadt von Zwi Harry Likwornik, war für ihre weltoffene Atmosphäre berühmt. Dies änderte sich mit dem Einmarsch der Roten Armee nach dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt und ein Jahr später, im Juli 1941, mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Augenblicklich setzten die deutschen Machthaber mit Hilfe ihrer rumänischen Verbündeten antijüdische Maßnahmen durch. Die Familie Likwornik wurde gezwungen, ins Ghetto von Czernowitz zu ziehen, von wo aus sie kurze Zeit später nach Markulesht deportiert wurde. Von dort wurde sie auf einem langen Marsch durch Transnistrien ins Ghetto Berschad geführt. Hunger und Kälte bestimmten den Lebensalltag im Ghetto bis zur Befreiung durch die Rote Armee im Sommer 1944. Bei dem Versuch, nach Palästina zu gelangen, wurden Zwi Harry Likwornik und seine Mutter 1947 zunächst auf Zypern inhaftiert, bevor sie im Juni 1948 in den neuen Staat Israel kamen. Doch die Allgegenwärtigkeit der Verfolgung und der Tod des Vaters ließen ihn auch in Israel nicht los. Bis zum Zeitpunkt des Interviews litt der 79 Jahre alte Zwi Harry Likwornik immer wieder unter Albträumen.

Zwi Harry Likwornik (01161/sdje/0056). Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, 12. März 2013 (Cholon). Durchführung: Daniel Baranowski, Lennart Bohne und Daniel Hübner. Transkription und Bearbeitung: Lennart Bohne.

Cholon, 12. März 2013