Werkstattberichte

14. Dezember 2012

Interview mit Eva Heilbrunn

Die Bielitzerin berichtet von ihrer Retterin Teta Wilaszek

Die 1931 geborene Eva Heilbrunn widmete das Interview ihrem Kindermädchen Augusta »Teta« Wilaszek. Während der Verfolgung versteckte Teta sie und ihre Schwester an unterschiedlichen Orten im Generalgouvernement und rettete ihnen dadurch das Leben.

Eva Heilbrunn wurde als Tochter des jüdischen Ehepaars Lerner in Wien geboren. Bald nach ihrer Geburt zog die Familie zurück ins polnisch-schlesische Bielitz, wo Eva Heilbrunn von der Krankenschwester Augusta Wilaszek betreut wurde. Als ihre jüngere Schwester Tamara geboren wurde, entschied sich Teta, auf Dauer bei der Familie Lerner zu bleiben. Nach dem deutschen Angriff auf Polen 1939 flohen die Lerners ins sowjetisch besetzte Lemberg. Im Sommer 1941 teilte sich die Familie auf: Die Eltern begaben sich auf die Flucht, während Teta die Töchter in ihre Obhut nahm. Zwischen 1942 und 1945 zog Teta mit den beiden Mädchen durch das ganze Generalgouvernement; sie arbeitete als Haushälterin und gab vor, mit ihren unehelichen Kindern unterwegs zu sein. Im Frühjahr 1945 trafen Eva Heilbrunn und ihre Schwester ihren Vater in Kattowitz wieder. Nach dem Krieg lebten sie zunächst erneut in Bielitz. 1949 emigrierten sie nach Brasilien, wo Eva Heilbrunn eine Ausbildung zur Krankenschwester machte. Nach ihrem Abschluss beschloss sie, sich in Israel niederzulassen. Über die Jahre blieb sie mit ihrer Retterin stets in Kontakt und konnte 1997 ihre Auszeichnung als Gerechte unter den Völkern erreichen. Zum Zeitpunkt des Interviews war sie 82 Jahre alt.

Eva Heilbrunn (01154/sdje/0049). Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, 5. Juli 2012 (Berlin). Durchführung: Daniel Baranowski, Teresa Schäfer und Lennart Bohne. Transkription und Bearbeitung: Barbara Kurowska.

5. Juli 2012, Berlin