Veranstaltungsberichte

11. Juli 2016

Spurensuche in Kischinew

Nechama Drober wurde am 17. August 1927 als Hella Markowsky in der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg geboren, ihr Vater war Jude. Sie überlebte die Zeit des Nationalsozialismus, die Bombenangriffe und den Einmarsch der Roten Armee. Sie floh vor Hunger und der Gewalt der sowjetischen Eroberer mit ihrer Schwester Ende der 1940er Jahre über das litauische Kowno nach Kischinew (rumänisch: Chișinău), ab 1947 Hauptstadt der ›Moldawischen Sozialistischen Sowjetrepublik‹, dem früheren Bessarabien. Im Juli 1949 heiratete sie Samuel (›Schmuel‹) Drober. Als Deutsche und auch als Jüdin durfte sie sich nicht zu erkennen geben. Nechama Drober bekam zwei Söhne: 1951 Nissel (›Numa‹) und 1954 Eduard (›Edik‹). Numa starb 1989 – 38-jährig. Im Jahr darauf reiste die Familie nach Israel aus, weil ihr deutsches Vaterland ihnen die Heimkehr verwehrte. Immer wieder besuchte sie in den folgenden Jahren die Stadt am Byk (Bâc), letztmalig 2009. Nun, Anfang Juli 2016, reisten Frau Drober und Edik erneut nach Kischinew, seit 1991 Hauptstadt der Republik Moldau, um ihnen wichtige Orte zu besuchen. Es war Frau Drobers großer Wunsch, mir diese Stätten zu zeigen – nachdem ich sie im israelischen Kriyat Ata besucht habe, wir bereits mehrmals gemeinsam in ihrer heute russischen Geburtsstadt gewesen waren und auch im weißrussischen Minsk, wo im Juni 1942 Verwandte, Freunde und Schulkameraden ermordet wurden.
Die Stiftung Denkmal hat Frau Drobers Erinnerungen »Ich heiße jetzt Nechama. Mein Leben zwischen Königsberg und Israel« 2015 in bereits 3. Auflage veröffentlicht.

Bild: Touristische Werbung für Kischinew zu sowjetischer Zeit; Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Frau Drober und Edik an Numas Grab; Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Frau Drober am Denkmal für die Opfer des Kischinewer Ghettos; Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Auf dem großen Basar; Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Bei der Suche nach Grabstätten Verwandter auf dem jüdischen Friedhof; Foto: Stiftung Denkmal

Bild: Im jüdischen Gemeindezentrum »Kedem«, dem Sitz der jüdischen Gemeinschaft Moldaus in einer früheren Synagoge; Foto: Stiftung Denkmal