Veranstaltungsberichte

05. Oktober 2018

Shoah, Filme und Zeugen – 50 Filme aus über 75 Jahren im Kino Babylon Berlin

Vom 16. bis 30. September 2018 fanden im Kino Babylon in Berlin die Shoah-Filmtage statt. Zahlreiche Regisseure haben sich dem Shoah-Thema zugewandt und waren nun mit ihren Werken im Babylon zu sehen: Ernst Lubitsch, Billy Wilder, Fred Zinnemann, Wolfgang Staudte, Alain Resnais, Vittorio de Sica, Stanley Kramer, Frank Beyer, Konrad Wolf, Lina Wertmüller, Agnieszka Holland, Andrzej Munk, Roberto Benigni, Roman Polanski. Alle 50 Filme aus über 75 Jahren waren kostenlos zu sehen. Nahezu 4.000 Zuschauer kamen zu den Shoah-Filmtagen in das Kino Babylon.

Die große Werkschau startete am 16. September 2018 mit Frank Beyers tragikomischen, mit einem silbernen Bären preisgekrönten Jakob der Lügner (1974). Anschließend, um 18.45 Uhr, debattierten Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung und Schirmherr der Shoah-Reihe, Daniel Baranowski von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld,  Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien Potsdam, und Patrick Siegele, Direktor des Anne Frank Zentrums Berlin über das Thema »Holocaust – Erinnerung für die Zukunft«. Moderierte wurde das Podium von Cathy Gelbin, University of Manchester und Kuratorin der Filmreihe im Babylon.

In Kooperation mit dem Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas präsentierte das Kino Babylon erstmals während des gesamten Festivals täglich eine Serie bislang nicht im Kino gezeigter Videointerviews mit Überlebenden des Holocaust aus Deutschland, Griechenland, Litauen, Polen und der Tschechoslowakei.
So wurde unter anderem am 22. September um 14 Uhr das achtstündige Interview mit der Berliner Holocaustüberlebenden Regina Steinitz gezeigt. Zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Ruth wohnte sie als Kind in der Nachbarschaft des Babylons und war Besucherin des Kinos. Elf weitere Interviews aus dem Videoarchiv »Sprechen trotz allem« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas waren in geschützter Atmosphäre in einem kleinen Raum im Babylon zu sehen. Gezeigt wurden die Interviews mit: Erika Myriam Amariglio ( D/GR 2009, Interviewer: Daniel Baranowski, Ulrich Baumann, 126 Min), Sabina van der Linden-Wolanski (D 2010, Interviewer: Daniel Baranowski, Barbara Kurowska, 138 Min, Englisch), Nechama Drober (D/IL 2010, Interviewer: Daniel Baranowski, Barbara Kurowska, 163 Min), Israel Löwenstein ( D/IL 2010, Interviewer: Daniel Baranowski, 225 Min), Ruth Michel (D 2010, Interviewer: Daniel Baranowski, Gabriele Zürn, 262 Min), Walter Frankenstein (D 2009, Interviewer: Barbara Kurowska, Daniel Baranowski, 307 Min), Kenneth Arkwright (D 2011, Interviewer: Ruth Preusse, Daniel Baranowski, 193 Min), Karla Wolff (D 2011, Interviewer: Daniel Baranowski, Teresa Schäfer, 296 Min), Eva Erben (D/IL 2011, Interviewer: Barbara Kurowska, Daniel Baranowski, 189 Min), Zwi Katz (D 2012, Interviewer: Teresa Schäfer, Daniel Baranowski, 301 Min) und Pavel Taussig (D 2013, Interviewer: Lennart Bohne, Daniel Baranowski, 269 Min).

Das Centre for Jewish Studies an der Universität Manchester hat im Nachgang zum Festival eine Webseite mit Informationen über die Shoah-Filmtage eingerichtet. Auf dieser Seite sind auch Podcasts, unter anderem mit der Eröffnungsansprache von Thomas Krüger sowie den Wortmeldungen der Podiumsteilnehmer, zu finden: http://www.manchesterjewishstudies.org/shoah-film-series/.

Bild: Shoah-Filmfestival im Kino Babylon Berlin

Bild: Moderator Knut Elstermann im Gespräch mit Regina Steinitz im Oktober 2014, anlässlich der Vorstellung des Zeitzeugenbericht von Regina Steinitz im Betsaal des ehemaligen Jüdischen Waisenhauses Pankow, Foto: Mike Schmidt

Bild: Die Vorstellung des Zeitzeugenberichtes fand in Anwesenheit von ihrem Mann Zwi Steinitz und ihrer Schwester Ruth Malin (Mitte) statt, Foto: Mike Schmidt