Neues

06. Juni 2018

Buchvorstellung: »Postalische Zeugnisse zur deutschen Besatzungspolitik im Protektorat Böhmen und Mähren« von Heinz Wewer

6. Juni 2018, 18 Uhr, Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstraße 44, 10117 Berlin

Am 15. März 1939 besetzte das nationalsozialistische Deutsche Reich, das im Oktober 1938 bereits das Sudetenland annektiert hatte, die Tschechoslowakei. In seinem Erlass zur Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren am folgenden Tag sicherte Hitler den böhmischen Ländern Autonomie und Selbstverwaltung zu. Was die versprochene Autonomie in der Praxis bedeutete, zeigte sich sehr bald. Die deutschen Okkupanten unterdrückten jede Regung von Opposition und begannen mit der Verfolgung der Juden. Sie deportierten Repräsentanten des kulturellen Lebens, Studenten und Regimegegner in Gestapo-Gefängnisse und Konzentrationslager. Auf dem Boden des Protektorats, in Theresienstadt, entstand die größte Sammelstelle für Juden auf dem Weg in die Orte der Vernichtung. Die »tschechischen« Behörden wurden bald vollständig unter deutsche Kontrolle gestellt. »Autonomie« und »Selbstverwaltung« erwiesen sich als eine Fassade, hinter der sich ein System der rücksichtslosen Unterdrückung und Ausbeutung verbarg.

Mit Hilfe einer bisher wenig beachteten Kategorie von Dokumenten veranschaulicht der Autor ausgewählte Aspekte der deutschen Besatzungsherrschaft in Böhmen und Mähren. Es handelt sich dabei um Zeugnisse der postalischen Kommunikation: Postkarten, Briefinhalte, Briefumschläge, Zahlungsbelege etc. Diese Dokumente der Alltagskultur werden in ihrem historischen Kontext gesehen, woraus sich eine neue Perspektive auf Geschichte und oftmals neue Informationen zu Personen und Institutionen ergeben.

PROGRAMM

Begrüßung

S. E. Tomáš Jan Podivinský, Botschafter der Tschechischen Republik in Deutschland


Musikalisches Rahmenprogramm

Erwin Schulhoff (1894-1942)

Fünf Stücke für Streichquartett (Werkverzeichnis 3494)

Es spielt das Diplomatische Streichquartett: Matthias Hummel (1. Violine), Felix Klein (2. Violine),

Ernst Herzog (Viola), Petra Kießling (Violoncello)

 

Grußworte

Adam Kerpel-Fronius, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Dr. Christine Glauning, Leiterin des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit

 

Buchvorstellung

Heinz Wewer, Autor

Hartmut Liebermann, Moderator

Heinz Wewer, geboren 1935, hat in Tübingen, Berlin, Amherst und Princeton Rechtswissenschaften, Geschichte und Politikwissenschaft studiert. Tätigkeit in verschiedenen Berufsfeldern, zuletzt als Leiter des Arbeitsbereichs Internationale Beziehungen in der Verwaltung der Universität der Künste Berlin. 2017 erschien sein Buch »Abgereist, ohne Angabe der Adresse. Postalische Zeugnisse zu Verfolgung und Terror im Nationalsozialismus.«

Hartmut Liebermann, geboren 1949, hat in Münster und München Geschichte, Geographie und Sozialwissenschaften studiert. Von 1975 bis 2014 Lehrer am Alexander-Hegius-Gymnasium Ahaus, dort als Studiendirektor Fachbereichsleiter für die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer. Seit 2002 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Tschechoslowakei im Bund deutscher Philatelisten.

Veranstalter: Botschaft der Tschechischen Republik, Hentrich&Hentrich Verlag, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit

Anmeldung bis zum 5. Juni 2018 unter veranstaltungen_berlin [at] embassy.mzv.cz

Bild: Titel des Buches, Hentrich&Hentrich