Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde

Bild: 1. Preis des Gestaltungswettbewerbs: Ursula Wilms, Nikolaus Koliusis, Heinz W. Hallmann, Foto: promo

In der Berliner Tiergartenstraße 4 befand sich ab April 1940 die Zentrale für die Organisation, die unter dem Decknamen »T 4« – oder schlicht »Aktion« – den Massenmord an Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten im Deutschen Reich initiierte, koordinierte und durchführte. Über 70.000 Menschen fielen ihm zum Opfer, bis die Aktion am 24. August 1941 aufgrund öffentlicher Unruhe unterbrochen wurde. Das Morden begann bereits mit Kriegsbeginn im September 1939 und wurde sowohl nach dem »Euthanasiestopp« im August 1941 als auch mit dem Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 im gesamten Deutschen Reich und in vielen besetzten Gebieten, insbesondere im Osten, fortgesetzt. Die  Erfassung, »Selektion« und Tötung der Anstaltspatienten war die erste zentral organisierte und systematische Massenvernichtung von Menschen durch die Nationalsozialisten. Dabei stellt »T 4« nur einen Teilkomplex des Gesamtverbrechens gegen Anstaltsbewohner dar. Die Forschung geht derzeit von insgesamt 300.000 Opfern des sogenannten Euthanasie-Programms in Europa aus. Allerdings  liegen verlässliche Zahlen insbesondere für Osteuropa noch nicht vor.

Am 10. November 2011 fasste der Deutsche Bundestag den Beschluss, einen »Gedenkort für die Opfer der NS-›Euthanasie‹-Morde« zu errichten. Daraufhin hatte das Land Berlin, gemeinsam mit der Fachkommission »Kunst im Stadtraum«, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt sowie dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, einen Gestaltungswettbewerb »Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen ›Euthanasie‹-Morde am Ort der Planungszentrale, Tiergartenstraße 4 in Berlin« ausgeschrieben.

Die Aufgabe des Gestaltungswettbewerbs bestand darin, am historischen Ort der Planungszentrale über die nationalsozialistischen Krankenmorde, Zwangssterilisationen und andere damit zusammenhängende Verbrechen zu informieren. Es soll ein Gedenkort in künstlerisch zeitgenössischer Form entstehen.

Am Wettbewerb beteiligten sich 28 Arbeitsgemeinschaften aus Künstlern und Landschaftsarchitekten.

Am 23. November 2012 hat das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Donata Valentien den Entwurf der Architektin Ursula Wilms sowie der Landschaftsgestalter Nikolaus Koliusis und Heinz W. Hallmann zur Realisierung empfohlen. Das Konzept der Berliner Arbeitsgemeinschaft sieht vor, auf einer zur Mitte leicht geneigten dunklen Fläche aus anthrazitgefärbtem Betonbelag eine transparente hellblaue 30 Meter lange Glaswand zu setzen.

Für die Umsetzung des Vorhabens stehen der unbebaute Teil des Grundstücks »Tiergartenstraße 4«, nördlich der Philharmonie, sowie finanzielle Mittel des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien von insgesamt 500.000 Euro zur Verfügung. An der Planung und Umsetzung ist die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas unter Einbeziehung der Stiftung Topographie des Terrors beteiligt.

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* Seit fast drei Jahren bemüht sich die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas darüber hinaus um ein Gedenkzeichen und Informationstafeln auf dem Gelände des heutigen Klinikums in Berlin-Buch. Dort befand sich der zentrale Durchgangsort für Opfer der NS-»Euthanasie« in der deutschen Hauptstadt.